Kartoffelklöße auf transsylvanisch

Henry und Polly

Jetzt sind wir schon über einem halben Jahr hier. In fünf Monaten kommen wir wieder nach Deutschland. Aber nicht um zu Bleiben. Wir haben entschieden, nach ein paar Wochen in good old germany für ein weiteres Jahr zu unserer überteuerten Bretterbude in Palo Alto zurück zu kehren.

Würden wir bereits in diesem Jahr nach Deutschland zurück gehen, müssten wir Stephans Arbeitgeber, der unseren Übersee-Umzug voll bezahlt hat, einen Teil der Kosten zurück erstatten. Wir spaßen zur Zeit darüber, dass wir wohl für immer hier bleiben müssen, weil wir uns den Umzug nicht leisten können. Haha. Noch können wir darüber lachen.

Aber Themenwechsel: Auf der Silvester-Party unserer Nachbarin Keva habe ich Renat kennen gelernt. Sie wohnt auch in unserer Straße und kommt ursprünglich aus Israel. Bevor sie vor drei Jahren nach Palo Alto gekommen ist, hat sie zehn Jahre in Australien gelebt. Sie liebt den Tapetenwechsel, kämpft aber trotzdem mit Heimweh. Da sie auch gerne Brot backt und auf der Party mit ihrer tollen Kaffeemaschine angegeben hat, verabredeten wir uns. Guter Kaffee ist hier schließlich schwer zu finden.

Renats Geheimwaffe.

Renat arbeitet im Marketing und hat vor einigen Wochen ihren Job verloren, weil sie sich das Bein gebrochen hat. Sie ist verheiratet und hat drei Söhne im Alter von 3, 9 und 12 Jahren. Das Einkommen ihres Mann reicht für den Lebensunterhalt im Silicon Valley nicht aus. Die Betreuung für ihren 3-Jährigen kostet allein 2200 Dollar im Monat, und da ist noch nicht mal ein Mittagessen dabei.

Ihre Familie hat sich in den letzten Wochen mehrmals gefragt, warum sie gerade hier leben, in einer der teuersten Regionen der Welt. In der Zwischenzeit ist ihr Beinbruch zum Glück genesen und sie hat seit gestern einen neuen Job, den sie in vier Wochen antreten wird. Ich freu mich für sie und bin froh, dass sie und die Jungs uns vorerst erhalten bleiben.

Bis sie wieder arbeitet und dann nur noch am Wochenende Zeit hat, wollen wir ein paar Rezepte ihrer transsylvanischen Oma ausprobieren. Sie gerät ins Schwärmen, wenn sie von deren Kochkünsten erzählt. Und nach unserem Kochevent am Sonntag weiß ich auch warum. Wir haben uns an Zwetschgenknödeln versucht, für deren Zubereitung es wohl unzählige Rezeptvarianten gibt. Wir hielten die Fahne für Transsylvanien hoch und haben keine Kosten und Mühen gescheut, um sie perfekt zuzubereiten.

Kroatisches Zwetschgenmus für die Füllung

Die wichtigste Zutat sind mehlig kochende Kartoffeln. Nur leider findet man auf amerikanischen Kartoffeltüten keine Hinweise auf die Kocheigenschaft. Hier sind Kartoffelknödel auch weitestgehend unbekannt. Doch Renat war schlau. Sie fragte im „Fine Food Piazza“ nach Kartoffeln, die für die Zubereitung von Gnocchi geeignet sind. Der Supermarkt gehört zwar zu den teuersten in Palo Alto, aber dafür wissen die Mitarbeiter auch, was sie verkaufen.

Ich fuhr indessen zu Crossroads, einem unscheinbaren Geschäft mit einer faszinierenden Auswahl an Lebensmitteln aus aller Welt. Hier kaufte ich neben Ritter Sport, Haribo, Düsseldorfer Senf und Teekanne-Tee kroatisches Zwetschgenmus für die Füllung der Klöße.

Ich schreibe das deshalb so genau auf, weil wir während Renats Arbeitslosigkeit darüber scherzten, dass wir einen Food-Blog machen und damit reich werden. Zum Glück hat Renat nun einen neuen Job und die Idee ist wieder vom Tisch. Trotzdem möchte ich euch das Rezept nicht vorenthalten, auch wenn ich hier nicht mit hippen Food-Blog-Bildern aufwarten kann.

Das Rezept auf hebräisch. Nicht vergessen: Man muss es von rechts nach links lesen.

Potato-Plum-Dumplings oder:

Transsylvanische Kartoffelknödel mit Zwetschen

Zutaten:

1 Kilogramm Kartoffeln
1 bis 2 Eier
30 Gramm geschmolzene Butter
eine Prise Salz
Mehl (die Menge hängt von der Konsistenz des Teiges ab – er muss sich gut kneten und ausrollen lassen)
1 Glas Zwetschgenmus
Semmelbrösel
Zimt und Zucker nach Geschmack

 

Vom Teig…

Zubereitung:
Kartoffeln garen und anschließend schälen. Durch eine Kartoffelpresse drücken. Ein bis zwei Eier, geschmolzene Butter und eine Prise Salz zu den Kartoffeln geben. Mit den Händen zu einem homogenen Teig kneten. Je nach Konsistenz des Teiges Mehl dazu geben.

Auf einer bemehlten Arbeitsfläche den Teig 0,5 Zentimeter dick ausrollen. In 5×5 Zentimeter große Quadrate teilen. Auf jedes Quadrat einen Teelöffel Zwetschgenmus und eine Prise Zimt geben. Quadrate zu Klößen formen und diese in kochendem, gesalzenem Wasser circa 20 Minuten garen. Das Wasser darf nur leicht kochen, da die Klöße sonst zerfallen.

… zum Knödel. Unscheinbar, aber lecker!

Semmelbrösel mit etwas Butter in einer Pfanne leicht anrösten. Die gegarten Klöße darin wälzen und mit Zimt und Zucker bestreuen.

Eat and enjoy!

Mit meinem ersten und letzten Food-Blog-Beitrag grüße ich vor allem meine Freundinnen Bine und Nicole, die ich vor einigen Jahren in einem Afrikanischen Kochkurs kennen gelernt habe und seitdem nicht mehr missen möchte. Über die Spätzle-Reibe, die gestern vom Postboten gebracht wurde, habe ich mich mega gefreut!

Von wegen: It never rains…

Wer demnächst nach San Francisco fliegt und sich beim Blick aus dem Fenster in Höhe Palo Alto über ein blaues Bauwerk wundert, der weiß jetzt: Da wohnen WIR. Und das kam so:

Pollys Meinung zum Wetter

Seit ein paar Tagen regnet es und seit gestern so stark, als gäbe es kein morgen. Der Himmel hat nach monatelangem Schlummerschlaf seine Schleusen geöffnet und kriegt sich nun gar nicht mehr ein. Bei Starkregen in einem unisolierten kalifornischen Holzhaus zu sitzen hat was von Camping. Der Regen prasselt laut gegen Fenster und Wände, man hat das Gefühl, gleich davon zu schwimmen. Aber wenigstens ist es trocken, dachte ich, bis ich in die Garage ging und dort die Wäsche in die Maschine stopfte. Ein eiskalter Wassertropfen lief mir den Nacken runter, und ihm folgten noch einige weitere. Das Flachdach über Waschmaschine und Trockner war vom vielen Regen durchgeweicht.

Kunst am Bau

Unser Vermieter, faule Socke und Fuchs in einem, schlug  vor, einen Eimer unterzustellen. Das hielten wir für eine außergewöhnlich gute Idee und teilten ihm das auch mit. Daraufhin bekam er Schiss, das wir die Miete mindern. Er schickte uns zackig einen Arbeiter vorbei. Der junge Mexikaner hatte den Auftrag, eine Plane auf dem Dach zu verlegen, um die undichte Stelle abzudecken. Als er dann da oben stand und feststellte, dass er in seinem Leben noch nichts Großes erreicht hatte, dachte er wohl beim Anblick des quietschblauen Plastiks: „Hey, was Christo kann, kann ich schon lange.“ Und kaum hatte er den Gedanken fertig gedacht, war das Dach mitsamt Haus verhüllt. Wir warten nun auf die ersten japanischen Touristen.

Geheimwaffe gegen Apple-Viren

Obwohl das Wetter für die Jahreszeit typisch ist, weigert man sich, die Infrastruktur des Valleys anzupassen. Gestern Abend waren wir zum Beispiel ohne Strom. Es machte kurz fziepz und das Licht ging aus, gemeinsam mit allen anderen elektrischen Geräten im Haus. Panisch weckte ich Stephan, der seit dem Wochenende mit einer fiebrigen Erkältung kämpft und bereits tief und fest geschlummert hatte. Es geht gerade ein Apple-Virus rum. Aber keine Sorge, es legt keine Rechner flach, nur die Mitarbeiter.

Während ich nach dem Sicherungskasten suchte, schaute er nur kurz aus dem Fenster, um festzustellen, dass die gesamte Straße ausgeknipst war. Dann legte er sich wieder ins Bett. Ich hingegen manövrierte mich mit einer Taschenlampe bewaffnet ins Bad und anschließend ins Bett. Ich träumte von eiskalten Duschen und aufgetauten Gefrierschränken. Zum Glück dauerte der Stromausfall nicht lange.

Auch Autofahren ist bei diesen Wetter ein Abenteuer, wenn man nicht gerade mit einem Monster-Truck unterwegs ist. Vollgelaufenen Schlaglöchern kann man noch ausweichen, aber die extra angelegten Straßenmulden zur Geschwindigkeitsminderung sind tückisch. Sie stehen so voller Wasser, dass ich jedesmal Angst habe, mit meinem kleinen Fiat darin abzusaufen. Hoffentlich kriegt sich der Himmel bald wieder ein.

Auf zum Winter Sale

Shoppen gehen ist im Silicon Valley eine sauteure Angelegenheit. Deshalb habe ich mich heute auf den Weg in mein Lieblings-Einkaufszentrum gemacht, das „Town and Country Village“ in Palo Alto. Hier gibt es, eingebettet zwischen einer Pizzeria und einem Cupcake-Laden, das … Trommelwirbel…. „Sur la table“.

Im „Sur la table“

Dieses Küchengeschäft, in dem man von der Knoblauchpresse bis zur mehrere tausend Dollar teuren High-Tech-Kaffeemaschine alles bekommt, lockt zur Zeit mit einem Winter Sale und 20 Prozent Rabatt. Also nichts wie hin. Ich wollte so ein Ding kaufen, mit dem man Spätzle machen kann. Henry liebt Käsespätzle und ich war es leid, für eine Tüte getrocknetes Mehl-Ei-Gemisch im World Market jedesmal 5 Dollar zu bezahlen.

Doch während „Sur la table“ von allem, was man sich nur vorstellen kann, eine Riesenauswahl hat, gab es nur eine einzige Spätzle-Reibe. Sollte der alteingesessene Amerikaner vielleicht keine schwäbische Hausmannskost mögen? Die Reibe, made in China, kostete stolze 25 Dollar und sah aus, als würde sie von 12 bis Mittag halten. Also Planänderung. Wenn ich schon mal da war, wollte ich auch Geld ausgeben. Aber für was?

Ich ging ein Regal weiter und stand wie bereits zwei Wochen zuvor, als ich als ich auf der  Suche nach einem Raclette-Gerät schon einmal bei „Sur la table“ aufschlug, fassungslos vor einem „Indoor Gardening System“ für „Gourmet Herbs“ – also Petersilie, Schnittlauch und Basilikum. Vor Weihnachten kostete es unglaubliche 230 Dollar, jetzt war es auf 140 Dollar runtergesetzt. Es ist ausgestattet mit 100 Hochleistungs-LED-Leuchten, damit die Kräuter es immer schön hell haben, und einem LCD-Display, das einen durch jeden Schritt des Wachstumsprozesses führt: Vom Säen über das Düngen und Bewässern bis hin zur Ernte. Der Clou: Steuern lässt sich das „Naturerlebnis für Nerds“ mit dem Smartphone. Fehlt nur noch eine Webkamera, mit der man seinen Kräutern beim Wachsen zusehen kann, während man sich die Nägel lackiert.

Wer kauft so etwas? Augenscheinlich niemand, und das beruhigt mich. Die Regale waren noch brechend voll.

Gurkenschlange war gestern

Zum Glück habe ich dann doch noch etwas wirklich Sinnvolles gefunden: Einen Toast-Ausstecher für Monster-Egg-Toasts und ein Backbuch mit dem vielversprechenden Titel „The perfect cookie“. Während ich an Weihnachten noch stoisch die deutsche Fahne für Zimtsterne & Co. hochgehalten hatte, ist die Zeit nun reif für neue Erfahrungen in Form von „Thin Chocolate-Mint Cookies“ und „Hazelnut Lemon Curd Thumbprints“. Ich bin gespannt, wie Stephan und Henry darauf anspringen. Für neue kulinarische Erlebnisse sind sie ja generell offen, Hauptsache, es schmeckt wie immer.

 

Happy new year everybody!

Wie die Zeit vergeht. Der letzte Blog-Eintrag ist eine halbe Ewigkeit her und ich kann es keinem übel nehmen, wenn er sich nicht mehr auf diese Seite verirrt. Aber umso größer ist die Überraschung, wenn dann doch wieder ein paar Zeilen zu lesen sind.

Truthahn-Deko an Thanksgiving

Mittlerweile haben wir unser erstes Halloween, Thanksgiving und Weihnachten in Kalifornien gefeiert. An Thanksgiving gab Stephans Arbeitgeber seinen Mitarbeitern eine Woche frei. Der Mann hatte den Urlaub dringend nötig und entspannte, was das Zeug hielt. Thanksgiving selbst war ein ganz gewöhnlicher Tag, da wir nirgends eingeladen waren und das Fest für uns keine Bedeutung hat. Ungewöhnlich war nur, dass im Land der unbegrenzten Öffnungszeiten die Geschäfte frühzeitig zumachten. Aber das war auch alles.

Im Gegensatz zu Thanksgiving hatte ich an unser erstes amerikanisches Weihnachtsfest bestimmte Erwartungen. 45 Weihnachtsfeste in Deutschland hinterlassen schließlich Spuren. Sie führten dazu, dass ich bereits im Oktober das Übersee-Paket von Lebkuchen Schmitt im Internet bestellte. Es war eine teure Angelegenheit, die ich nicht weiter erläutern möchte. Nur soviel: Die Kosten für 4 Kilogramm Lebkuchen und Porto hielten sich die Waage. Stephan freute sich so lange darüber, bis wir feststellten, dass man auch fernab der Heimat in vielen Supermärkten Lebkuchen günstig kaufen kann. Neben Marzipan, Stollen und Schokonikoläusen.

Der Weihnachtsbaum kostete ein Vermögen, war aber dafür der schönste, den wir je hatten.

Doch obwohl wir damit kulinarisch bestens versorgt waren, wollte sich keine weihnachtliche Stimmung einstellen. Mit viel Sonnenschein und Temperaturen um die 18 Grad war es im Dezember einfach zu warm. Kein Mensch wäre auf die Idee gekommen, Glühwein zu trinken, aber Weihnachtsmärkte gab es sowieso keine. Hier trinkt man zur Weihnachtszeit Eggnog. Das ist ein Milchmischgetränk mit Sahne, Ei, viel Zucker und Muskatnuss. Man trinkt es warm oder kalt, aber ehrlich gesagt ist die Temperatur egal, es schmeckt weder noch. Genießbar ist einzig die Variante mit einem ordentlichen Schuss Rum.

Aufgeblasener Weihnachtsdackel auf Plastikrasen.

Direkt nach Halloween tauschten die Kalifornier ihre Gruseldeko gegen ihre gewöhnungsbedürftige Weihnachtsdeko. In unserer Nachbarschaft standen unzählige riesige, aufblasbare Weihnachtsfiguren, je bunter, desto besser. Ich habe viele Leute in vorsätzlich hässlichen Rentierpullis gesehen, die blinkende Lichterketten um den Hals trugen. Weihnachten in Kalifornien ist eher eine spaßige Angelegenheit, die wenig mit Besinnlichkeit und Innehalten zu tun hat. Aber das hat was für sich. Für die Amerikaner ist das wichtigste Familienfest Thanksgiving, und dadurch ist an Weihnachten vieles entspannter.

Henry hatte viel Spaß beim Snowboard fahren.

Den Heiligabend haben wir in einer urigen Holzhütte am Lake Tahoe verbracht. Es lag ein bisschen Schnee und Henry und Stephan nutzten die Gelegenheit zum Snowboard fahren. Die Landschaft ist wunderschön, wir hatten tolles Wetter und haben die Woche dort sehr genossen.

Pünktlich zu Silvester waren wir wieder zurück. Unsere Nachbarn hatten uns zu einer Party eingeladen, von 17.30 Uhr bis 21 Uhr, wegen der Kids. Das Buffett bestand aus Crackern und Käse, die die Gastgeberin von ihrem Ikea-Einkauf mitgebracht hatte und sehr viel Alkohol. Im Wohnzimmer war ein riesiges Mischpult aufgebaut, und der zwölfjährige Sohn legte mit ernster Miene echte Schallplatten auf. Das Highlight war eine beeindruckende Lightshow, die das Wohnzimmer in eine bunt flackernde Disco verwandelte. Alles zusammen führte dazu, dass ich mich gegen halb 9 auf der temporären Tanzfläche wiederfand und mit der Gastgeberin im ultrakurzen Leoparden-Minikleid und ihrer Schwiegermutter in Leoparden-Leggins zu 80er Jahre Mucke abzappelte. Den Leoparden-Trend scheine ich verpasst zu haben, was aber nicht schlimm ist, da ich mit der Gastgeberin demnächst shoppen gehe und dann wieder auf dem neuesten Stand bin. Und die Schwiegermutter möchte mich gerne adoptieren. Um 21 Uhr stießen wir gemeinsam mit der Ostküste auf das neue Jahr an, fielen uns in die Arme und wurden anschließend zur Tür rausgeschoben.

Was das neue Jahr wohl bringen wird?

Sinneswandel

Wir sind bereit.

Wer Stephan und mich kennt, weiß, dass wir trotz Mainzer Wurzeln mit Fassenacht und Verkleiden nichts am Hut haben. Umso lustiger, dass wir uns vor langer, langer Zeit auf einer Mainzer Fastnachtsfete kennen gelernt haben. Wir hatten gleich etwas gemeinsam – wir waren die einzigen Unkostümierten. Wären wir damals als Pirat und Krankenschwester unterwegs gewesen- vielleicht wäre alles ganz anders gekommen. Aber ich möchte nicht abschweifen.

Letzte Woche überraschte ich mich selbst, als ich mich einen Kostümladen in Redwood City ansteuern sah. Schließlich ist in ein paar Tagen Halloween. Hier muss man nicht auf aufgesetzt gute Laune machen, an Halloween ist es umso besser, je böser und grimmiger man guckt. Genau mein Ding.

Wie Polly das wohl findet?

Das „House of Humor“ ist ein echtes Erlebnis. Hier gibt es eine Riesenauswahl an Kostümen für Mensch und Tier – ob Astronaut, Geisterjäger, Hippie, Elvis, Freiheitsstatue oder Keks. Meterhohe Wände sind voll mit Perücken, Accessoires und Halloween-Deko. Alles ist ziemlich teuer und Umtausch und Rückgabe sind ausgeschlossen. Ich kaufte für Stephan einen Vampirumhang und für mich ein Zombie-Shirt. Außerdem ein paar Gummiratten und graues Haarspray. Henry hat nur noch ein paar Hundepfoten-Handschuhe gebraucht.

Die nächsten Tage werden wir zum ersten Mal Halloween in Amerika erleben und wir sind schon sehr neugierig. Die Vorbereitungen sind abgeschlossen: Das Haus ist dekoriert, die Süßigkeiten eingekauft. Wir haben sogar eine Lichtinstallation, mit der wir grüne Fledermäuse auf unsere Garage projizieren können. Das ist aber nichts gegen die Nachbarn, die noch Nebelmaschinen und Sound auffahren. Schon am Wochenende gibt es hier einige Veranstaltungen, darunter ein Fotoshooting für kostümierte Hunde. Henry hat ein Kostüm für Polly entworfen und bislang versuche ich ihn noch vergeblich von dem Vorhaben abzubringen. Es fällt mir schwer, denn ehrlich gesagt finde ich es ziemlich witzig. Arme Polly.

Never ending summer mit Schnupfennase

Schal ausgepackt – und wieder eingepackt

Nachdem es hier letzte Woche nach einer Nacht Regen etwas abgekühlt hatte, gingen wir davon aus, dass es nun endlich Herbst wird. Aber weit gefehlt. Heute wird es wieder 29 Grad und die Sonne knallt weiterhin vom strahlend blauen Himmel. Ich hab Kreislauf, denn seit dem Wochenende kämpfe ich mit einer Erkältung, was sich bei diesen Temperaturen ganz merkwürdig anfühlt. Es ist, als würde der Sommer hier nie zu Ende gehen. Tatsächlich ist es für Oktober für diese Gegend ungewöhnlich warm.

 

Ein paar Autominunten außerhalb von Palo Alto: Der Landschaft sieht man den trockenen Sommer an.

Apropos krank: Letzte Woche hatte ich zum ersten Mal einen Termin bei meinem neuen Hausarzt. Ich hatte nichts akutes und wollte mich einfach mal bei ihm vorstellen, um über ein paar Wehwehchen zu klagen, die ich schon eine Zeitlang mit mir herumschleppe. Mein Hausarzt praktiziert in der Palo Alto Medical Foundation, wo viele medizinische Fachbereiche unter einem Dach vereint sind. Ich war von meinem Arztbesuch mehr als angetan. Jeder Mitarbeiter ist freundlich und der Arzt nahm sich Zeit, zeigte Interesse und wurde aktiv. Unter anderem schickte er mich direkt zur Blutabnahme ins Labor. Dort musste ich nur wenige Minuten warten, bis eine einfühlsame Mitarbeiterin mir nicht nur Blut abnahm, sondern auch noch die Hand hielt.

Keine drei Stunden später bekam ich eine email von meinem Arzt mit den Blutergebnissen, einem netten Gruß und der Bitte, mir einen Termin bei einem Kollegen geben zu lassen. Die Telefonnummer schickte er gleich mit. Ich habe mich in diesem Moment gefragt, welche Krankenversicherung Stephan für uns abgeschlossen hat und ob wir uns die auch wirklich leisten können.

Mit Danny vor Ricks Eisdiele.

Am Wochenende wurde unser Gästezimmer eingeweiht – von Danny aus München. Sie reist während ihres Sabbaticals drei Monate um die Welt. Leider ist sie krank geworden, so dass wir nicht viel unternehmen konnten. Und am Montag ist sie schon wieder weitergefahren nach San Francisco. Immerhin haben wir eine Fahrradtour zu Rick’s Eisdiele geschafft.

Neben Danny haben wir am Sonntag auch Besuch von Susanne bekommen. Ich habe sie und ihren Hund Gracey vor einiger Zeit im Dogpark kennen gelernt. Sie wohnt nur fünf Gehminuten von uns entfernt und kommt gerne bei uns vorbei. Dabei ist sie meistens mit etwas selbst gebackenem bewaffnet, einer Blueberry-Tarte, Cookies oder einem Apple-Cake. Wenn wir hier kugelrund werden, liegt es nicht an Pommes, Hamburgern und Icecream, sondern allein an Susannes Backkünsten.

Susannes Blueberry-Tarte. Yummie!

Sie spricht mehrere Sprachen, darunter deutsch, obwohl sie schon so lange hier lebt. 1938 ist sie im Alter von zwei Jahren mit ihrer Familie aus Hamburg vor den Nazis geflohen.

Eigentlich wollte mich Susanne beim Englisch lernen unterstützen. Das sieht in der Praxis so aus, dass sie mich mit „hello my dear“ begrüsst. Anschließend reden wir wieder deutsch, weil sie die Sprache so mag. Ich dagegen mag ihre offene Art, ihre Neugier im positiven Sinne und ihre Großzügigkeit. Wir genießen ihre Besuche sehr und es ist schön, dass ich mich ab und zu mit einem German Bread bei ihr revanchieren kann.

Erste Herbstferien

Da kriegt selbst Polly Angst

Henry hatte in der letzten Woche fallbreak. Eigentlich kennen die Kalifornier keine Herbstferien, aber auf Henrys internationaler Schule ticken die Uhren anders. Herbst in Kalifornien ist eine merkwürdige Angelegenheit. Die Bäume verfärben sich zwar langsam, aber die Temperaturen sind immer noch hochsommerlich. Die einzigen Anzeichen für die dritte Jahreszeit sind die aufwändigen Halloween-Dekorationen, die man hier schon Anfang Oktober auffährt. Wir machen natürlich mit und haben jetzt eine auf Knopfdruck röchelnde Mumie mit rot blinkenden Augen adoptiert, die nun unseren Eingangsbereich ziert. Stephan zerbricht sich schon den Kopf darüber, wie er sie von drinnen steuern kann, damit sie röchelt, sobald ein Besucher vor der Tür steht.

Henrys Ferien wären eine prima Gelegenheit gewesen um wegzufahren, denn in den meisten Freizeitparks ist im Oktober tote Hose und die Kinder haben in Begleitung ihrer Eltern freien Eintritt. Aber leider hat Stephan noch keinen Urlaub gekriegt.

Vielleicht war es auch besser so, denn die Brände in Kalifornien hätten unsere Reisepläne eventuell zunichte gemacht. Obwohl wir rund Hundert Kilometer weiter südlich wohnen, waren wir auch hier von den Auswirkungen betroffen. An manchen Tagen wurde empfohlen drinnen zu bleiben, da die Luftqualität gesundheitsgefährdend war. Zeitweise roch es draußen stark nach Verbranntem. Doch das ist natürlich nichts im Vergleich zu dem, was die direkten Opfer der Brände erleben. Mittlerweile werden in der Bay Area Helfer gesucht, die die Menschen bei sich Zuhause aufnehmen können.

Mit Sybille und Eva vor dem Giraffengehege

Damit die Langeweile in den Ferien nicht überhand nimmt, haben wir am Dienstag zusammen  mit Sybille und ihrer Tochter Eva den Zoo in San Francisco besucht. Der Zoo beherbergt rund 250 Tierarten und er ist so weitläufig, dass wir es nicht geschafft haben, uns alle anzusehen. Die Anlage ist vor allem für Kinder ein Erlebnis. Neben einem großen Spielplatz sind auf dem ganzen Gelände viele Tier-Objekte verteilt, die man erklettern und erkunden kann. Manche Tiere werden spazieren geführt und die Kinder dürfen sie streicheln. Allerdings kommt danach sofort ein emsiger Zoomitarbeiter und desinfiziert einem die Hände – ob man will oder nicht.

Ganz schön borstig

Der Zoo ist zwar groß, aber die Welt doch klein: Als wir noch in Saulheim wohnten, erzählte mir meine Freundin Bine aus Zornheim, dass sie in einem Restaurant zufällig eine Frau kennengelernt hat, die in der Nähe von San Francisco wohnt. Sie war gerade auf Heimaturlaub in Zornheim. Und als wir nun im Zoo unterwegs waren, rief Sybille auf einmal: „Hallo Melanie, wie geht’s?“

Ich treffe also Melanie aus Zornheim zusammen mit ihren beiden Kindern im Zoo von San Francisco. Sybille kennt sie, da ihre Kinder auch auf die Schule in Palo Alto gehen. Ich würde mich ja wieder einkriegen, wenn ich sie in der Schule getroffen hätte, aber im Zoo?

Helfen gegen Heimweh

Und für alle Besorgten, die wissen wollen, was meine selbst gebackenen Brote machen: Nach einigen Versuchen, die leider entsorgt werden mussten (Teig zu glitschig, Küchenwecker nicht gehört…), hat sich der Erfolg schließlich eingestellt. Ich habe mittlerweile Norbert und einen noch namenlosen Weizensauerteig im Kühlschrank und dank ihrer Hilfe produziere ich lockere, feinporige Sauerteigbrote mit knuspriger Kruste. Sie schmecken fantastisch, ich kann nicht anders, als mich selbst zu loben. Die Brote knistern, wenn sie abkühlen. Als wollten sie mir etwas sagen. It’s magic!

Die Sache mit dem Brot

Amerikanisches Gummibrot

Wer im Silicon Valley lebt, muss auf deutsches Brot nicht verzichten,„Esther’s German Bakery“ sei Dank. Man zahlt aber das Dreifache von dem, was in Deutschland ein gutes Sauerteigbrot oder ein Laugenbrötchen kostet.

Da ich gerne selbst Brot backe, bin ich davon ausgegangen, uns hier einfach selbst versorgen zu können. Mit meinem geliebten Brotbackbuch von Brotpapst Lutz Geissler im Gepäck wähnte ich mich auf der sicheren Seite. Die Rezepte sind leicht nachzumachen und die Brote schmecken super. Das Geheimnis liegt darin, nur ein halbes Gramm Frischhefe zu verwenden und das Brot 24 Stunden gehen zu lassen. Auf der ersten Seite des Backbuches sind kreisrunde Schablonen zum Abschätzen der Hefemengen. Man rollt die Hefe zu einer kleinen Kugel zusammen und gleicht sie mit der Schablone ab. Ganz einfach.

Backbücher von Lutz Geissler

Mit der Frischhefe fingen meine Probleme an. Es gibt hier keine, der Amerikaner backt mit Trockenhefe. Das allein ist nicht schlimm, die Rezepte lassen sich einfach umrechnen. Aber wie messe ich Mengen zwischen 0,1 und 0,5 Gramm Trockenhefe ab?

Ich musste mir wohl oder übel eine digitale Feinwaage zulegen, mit der ich jetzt auch Gold ankaufen oder Medikamente selbst herstellen kann. Nicht auszudenken, wozu das Gerät noch fähig ist.

Ich buk eine Weile recht erfolgreich Weizenmehlbrote mit Hefe. Doch nach einigen Wochen sehnte ich mich nach einem richtigen Roggen-Sauerteigbrot. Wie es der Zufall so will, hat Lutz vor kurzem ein Sauerteig-Backbuch herausgebracht. Online bestellt, machte es die Reise über den großen Teich. Für die Portokosten hätte ich Esther’s Bakery aufkaufen können, aber das war es mir wert.

Norbert

Einen Sauerteig zu züchten ist gar nicht so schwer. Da er es gerne warm mag, durfte er tagsüber ein Sonnenbad im Küchenfenster nehmen. Abends wickelte ich ihn in eine vorher aufgewärmte Decke. Henry fühlte sich vernachlässigt, doch dem Sauerteig ging es prima und nach rund fünf Tagen war seine Geburt vollbracht. Lutz empfiehlt, dem Sauerteig einen Namen zu geben, da man auf diese Weise weniger Gefahr läuft, das regelmäßige Füttern zu vergessen. Meiner heisst Norbert.

Meinem ersten Sauerteigbrot stand nichts mehr im Wege. Ich musste nur noch Roggenmehl Type 1150 besorgen. Doch nach einem Blick in das übersichtliche Mehlregal des Supermarktes stellte ich fest, dass es Roggenmehl mit der in Deutschland üblichen Typenbezeichnung hier nicht gibt. Mein Supermarkt um die Ecke verkauft genau ein Roggenmehl. Es heißt „Dark Rye Flour“ und ist ein Roggenvollkornmehl.

Ich googelte mir einen Wolf und fand auf einschlägigen Webseiten hilfreiche Tipps. Roggenmehl Type 1150 lässt sich aus „Medium Rye Flour“ und „White Rye Flour“ selbst mischen. Ich bekam den Tipp, einen „Whole foods market“ aufzusuchen. Das ist ein Bio-Supermarkt mit einem riesigen Angebot an verschiedenen Mehlsorten, darunter Kokosnussmehl, Maismehl, Haselnussmehl, Mandelmehl, Pekanussmehl, Reismehl und sogar grünes Bananenmehl. Und einer Sorte Roggenmehl: Vollkorn.

Mittlerweile habe ich das Mehl bei „King Arthur Flour“ im Internet bestellt. Es wird mir per FedEx geliefert und ist immer noch unterwegs. Fragt nicht, was es inklusive Lieferung gekostet hat.

Ich hoffe, dass mein Sauerteig bis zum Eintreffen nicht die Grätsche macht. Ich rede ihm jeden Tag gut zu und füttere ihn regelmäßig. Und sollte die Frage auftauchen, warum ich nicht einfach ein Roggenvollkornbrot backe: Mann und Kind mögen es nicht.

Weiterhin warm und sonnig

Die Abstände zwischen den Blogbeiträgen werden immer größer. Das tut mir leid. In den letzten Tagen fehlten neben Zeit und Lust auch ein Anlass zum Schreiben.

Always sunny

Wenn man nicht weiß, worüber man schreiben soll, ist es wie mit dem Small Talk. Man fängt am besten mit dem Wetter an und dann ergibt sich schon etwas.

Hier ist es immer noch sehr warm. Heute sollen es wieder 28 Grad werden und wir sehnen uns nach kühleren Temperaturen.

Ich vermisse einen richtigen Herbst mit Traubenlese, Bremser und Zwiebelkuchen, Apfelernte und Nebel. Wir sind seit Mitte Juli in Kalifornien und seitdem hat es vielleicht dreimal geregnet. Zum Glück kühlt es abends schnell ab, so dass man trotzdem gut schlafen kann.

Für alle, die vor nichts zurückschrecken.

Während es in Deutschland in den Geschäften schon weihnachtlich zugeht, steht hier alles im Zeichen von Halloween. Neben Gruselartikeln und Kostümen gibt es Kürbis in allen Variationen. Kürbis-Cookies, -Tortilla-Chips, -Salsa, -Kuchen, -Brot und noch vieles mehr. Mein persönliches Highlight ist „Pumpkin Spice Latte“ von Starbucks. Wenn man sich erst mal überwunden hat, schmeckt das Espresso-Gemisch ganz lecker. Außerdem habe ich einen Bausatz für ein Lebkuchen-Geisterhaus mit Zuckerknochen und -Fledermäusen erstanden. Knusperhäuschen an Weihnachten waren gestern.

Henry möchte an Halloween als Hundevampir gehen. Da er an Karneval als Polizeihund unterwegs war und seine Hundeohren mit der Polizeimütze vernäht sind, muss ich mich noch auf die Suche nach vampirtauglichen Hundelauschern machen. Im Schminken von Hundegesichtern bin ich mittlerweile Profi.

In San Francisco. Wer findet die Golden Gate Bridge?

Bei Stephan und mir steht morgen die theoretische Führerscheinprüfung an. Wer fleißig ist, arbeitet dafür ein umfassendes Handbuch durch, das es in vielen Sprachen gibt. Nur nicht in deutsch. Zum Üben kann man viele Testfragen im Internet abrufen und wie immer bei Prüfungen mache ich mich sehr verrückt damit, während Stephan die Nerven behält. Die kalifornische Fahrlizenz ersetzt den Personalausweis und muss bei vielen Gelegenheiten vorgezeigt werden. Deshalb sollten wir schon bestehen.

Zur praktischen Prüfung fährt man mit seinem eigenen Auto und nimmt den Prüfer mit. Hoffentlich ist er nicht allzu groß, sonst stößt er in meinem kleinen Fiat 500 mit dem Kopf und den Knien an, kriegt schlechte Laune und lässt mich durchfallen. Ich kenne mein Glück. Oder er kriegt einen Bandscheibenvorfall und kann nicht mehr aussteigen. Habe ich schon erwähnt dass ich Prüfungsangst habe?

Einige Verkehrsregeln sind hier anders als in Deutschland und ich habe mich an manche immer noch nicht gewöhnt. Zum Beispiel darf man normalerweise bei einer roten Ampel rechts abbiegen. Manchmal bin ich so mit dem Beobachten anderer Verkehrsteilnehmer beschäftigt (das Starren in andere Autos ist übrigens verboten), dass ich vergesse weiterzufahren. Ich merke es dann erst, wenn ein lautes Hupkonzert hinter mir losgeht. An manchen Kreuzungen gilt die 4-Way-Stop-Regel, das heisst, dass derjenige Vorfahrt hat, der zuerst da war. Kommt man gleichzeitig an, dauert es eine ganze Weile, bis man sich mit Handzeichen geeinigt hat, wer zuerst fahren darf, auch wenn es dafür wiederum eindeutige Regeln gibt. An die erinnert sich aber keiner mehr. Nirgendwo habe ich anderen Verkehrsteilnehmern so viel zugewunken wie in den USA! Also, denkt morgen mal an uns. Ich verlasse mich auf eure Daumen!

Vom coffeemeeting, das keines war

Es soll ja Kinder geben, die nach Schulschluss ohne Punkt und Komma berichten, was sie erlebt haben oder was ansteht. Henry gehört nicht dazu. Seit vier Wochen geht er nun auf die Alto International School und hält sich weitestgehend bedeckt, zumindest was Schulangelegenheiten betrifft. Trotzdem fühle ich mich gut informiert:

Newsletter

Die Schule verschickt wöchentlich einen Newsletter an alle Eltern mit wichtigen Informationen und Terminen. Außerdem bekommt man regelmäßig emails von der Elternsprecherin, unter anderem mit einer aktuellen Liste der zu vergebenden Freiwilligendienste. Von den Lehrern bekommt man emails mit allgemeinen Informationen zum Unterricht und diese Woche mit einer persönlichen Beurteilung, wie Henry den Schuleinstieg gemeistert hat. Nebenbei gibt es einmal im Monat einen Kaffeeklatsch, der freitags um 13.30 Uhr auf dem Schulgelände stattfindet. Er dient vor allem dem Kennenlernen anderer Eltern.

Letzten Freitag war ein coffeemeeting für die Eltern der Zweitklässler für 8.30 Uhr terminiert. Da ich davon ausging, dass es sich um ein coffeemeeting handelt, saß ich freitagsmorgens entspannt beim Frühstück – so lange, bis Henry meinte, dass an diesem meeting auch seine Klassenlehrerin teilnehmen würde, um von ihrem Unterricht zu berichten. So schnell war ich noch nie angezogen. Ich brachte Henry zur Schule und setzte mich dort in den Konferenzraum. Kaffee gab es tatsächlich, aber ansonsten glich das coffeemeeting dem, was man in Deutschland unter einem Elternabend versteht.

Zum Unterrichtsthema „Emotionen und der Umgang damit“ führten Schüler aus Henrys Klasse vor, was ihnen hilft, wenn sie sich schlecht fühlen: Cooper meditierte, Kai machte Yoga und Thalia las ein Buch. Danach zeigten die beiden Lehrerinnen  der zweiten Klassen eine Präsentation zum allgemeinen Unterrichtsalltag, Lerninhalte und -ziele. Es gab einen kurzen Videofilm und anschließend wurde über Hausaufgaben, das Umkleiden für den Sportunterricht, das Waschen der Sportklamotten und so weiter diskutiert. Alles wie in good old Germany, aber mir fehlte die Diskussion, ob Apfelschorle nun erlaubt ist oder nicht. 

Da die Schule privat ist und das gezahlte Schuldgeld nicht ausreicht, um alle Kosten zu decken, wird man immer wieder mit dem Thema Finanzierung und Spenden konfrontiert. So können Eltern für ein Jahr einen Parkplatz ersteigern, der ausschließlich ihnen vorbehalten ist. Ihr könnt euch vorstellen, was dort normalerweise parkt. Wie hübsch würde sich ein Fiat 500e zwischen all den dicken SUVs machen. Einfach mal ein Zeichen setzen. Wenn ich es mir nur leisten könnte…

Außerdem sind alle aufgefordert, ein Event anzubieten, dass man ersteigern kann. Manche haben ein Boot oder Ferienhaus, dass sie dafür sie zur Verfügung stellen. Oder einen Rundflug im eigenen Sportflugzeug über San Francisco im Angebot. Andere machen eine Poolparty für 10 Kinder oder ein Movie-Event mit Popcorn. Das Geld, das die Teilnehmer zahlen, kommt der Schule zugute. Mir fehlt noch eine zündende Idee, was wir anbieten könnten. Ich bin für (fast) alles offen.