Offiziell wohnsitzlos

Heute haben wir uns bei der Verbandsgemeinde abgemeldet, sogar den Hund. Nun sind wir offiziell ohne Wohnsitz – solange, bis wir uns in Amerika beim Konsulat gemeldet haben und die neue Adresse in unsere Reisepässe eingetragen wurde. Im Moment kennen wir unseren neuen Wohnsitz aber noch gar nicht.

Die ersten Wochen werden wir in einem von Stephans Arbeitgeber gemieteten, möblierten Appartement in Sunnyvale wohnen, während unsere eigenen Möbel verschifft werden. Bis sie bei uns sind, kann es sechs bis acht Wochen dauern. Die Appartementanlage ist nicht besonders schön, aber immerhin gibt es einen Pool und ein paar Gemeinschaftsplätze, so dass man dort vielleicht Gelegenheit hat, neue Leute kennen zu lernen.

Sobald wir in den USA sind, müssen wir uns auf die Suche nach einem Haus machen. Dabei werden wir von einem Relocater unterstützt. Er zeigt uns die Gegend und checkt den Immobilienmarkt. Im Silicon Valley werden die Häuser sehr kurzfristig vermietet, in der Regel sind sie sofort frei, wenn sie angeboten werden. Deshalb war es nicht sinnvoll, bereits von Deutschland aus etwas zu mieten. Wir hätten dann mehrere Monate bezahlen müssen, ohne darin zu wohnen.

Die Hausfrage macht mich ehrlich gesagt nervös, sie kommt meinem Planungs- und Sicherheitsbedürfnis so gar nicht entgegen. Allerdings bringt der Umzug vieles mit sich, was wir auf uns zukommen lassen müssen. Vieles ist planbar, vieles auch nicht. Ich bin gespannt, wie spontan, flexibel und anpassungsfähig wir sind oder noch sein müssen.

Endspurt

Seit über einem halben Jahr sind wir nun dabei, unseren Umzug in die USA zu organisieren.

Wir haben Visa und Dokumente beantragt, Versicherungen gekündigt, das Haus auf den Kopf gestellt, Sachen verschenkt, verkauft, weggeschmissen und eingelagert, Mitgliedschaften gekündigt, Abschiede gefeiert, den Hund geimpft und kastriert, Henry an einer deutsch-internationalen Schule angemeldet, Mieter für unser Haus gefunden, zahlreiche Arzttermine hinter uns gebracht und und und. Jetzt sind es nur noch 14 Tage bis zum Abflug, der Countdown läuft.

Henry war gestern zum letzten Mal im Malkurs von Pia Schelenz. Sie hat ihm unter anderem beigebracht, perspektivisch zu zeichnen, und darauf ist er megamäßig stolz. Hoffentlich finden wir am Umzugsort einen guten Ersatz für Pias Kurs. Am Freitag hat Henry seinen letzten Schultag und bekommt sein erstes Zeugnis. Ihm ist noch nicht so bewusst, dass er seine Freunde lange Zeit nicht mehr sehen wird. Zu groß sind Aufregung und Vorfreude auf das Amerika-Abenteuer.

Nächste Woche kommt für drei Tage das Umzugsunternehmen und räumt unser Haus aus. Dann übergeben wir unser Haus an die Mieter und wohnen noch ein paar Tage bei Stephans Eltern, bis wir dann am 10. Juli nach San Francisco fliegen.

Auch wenn Trumps Einreiseverbot nun erst einmal durch ist, werden wir keine Probleme haben, da Stephan für eine amerikanische Firma arbeitet. Allerdings habe ich ein paar „Refugees welcome“-Buttons bestellt, mit denen ich die Familie zur Einreise schmücken werde. Ich war ja so naiv zu glauben, dass Trump durch die Obersten Richter Grenzen gesetzt bekommt. Ich bin gespannt, wie die endgültige Entscheidung ausfallen wird.

Auf der Führerscheinstelle

Wer sich mal richtig gruseln möchte, sollte unbedingt der Führerscheinstelle in der Kreisverwaltung Alzey einen Besuch abstatten. Im Wartebereich im Keller fühlte ich mich heute morgen wie im Film „Shining“ und war richtig enttäuscht, das Jack Nicholson nicht um die Ecke kurvte. Zum Glück musste ich nicht lange warten, und bin nun stolze Besitzerin eines Internationalen Führerscheins. Allerdings weiß ich gar nicht, ob ich ihn in den USA brauchen werde. Da wir dauerhaft bleiben, müssen wir die Führerscheinprüfung dort eh noch einmal machen. Ich wünschte, ich hätte sie schon hinter mir.