Die Küchenhölle

Wer mich kennt weiß, dass ich gerne koche. Nicht nur, um Nahrungsmittel zuzubereiten. Ich kann dabei entspannen, etwas Neues ausprobieren, mich kreativ austoben und anschließend – meistens jedenfalls – gut essen, was auch zu meinen Hobbys gehört. Ich genieße gerne.

Unser Frühstück: Waffeln aus dem Toaster

Deshalb bin ich gerade auf einer Art Entzug. Einem Koch-Entzug. Denn meine derzeitige Küche in unserem Appartement bringt mich noch um den Verstand. Die Ausstattung ist billig und spärlich. Ich habe nur ein doofes Glasschneidebrett und Messer, die den Namen nicht verdienen, einen halbseitig toastenden Toaster und zwei Schüsseln (natürlich aus Glas). Die größere dient zur Zeit als Quarantäne-Station für einen kranken Goldfisch. Lucky 5 hat zeitweise etwas Schräglage.

Ich vermisse mein Küchen-Equipment, meinen Induktionsherd und meinen Dampfgarer. Ich weiß, dass ich verwöhnt bin und auf hohem Niveau jammere. Aber das macht es nicht besser. Ich habe hier eine unbeschichtete Pfanne, in der mir vom Pfannkuchen bis zum Würstchen alles anbrennt, und einen Ceran-Herd, der einmal angestellt, die Hitze für die nächsten 3 Tage hält. Er ist ein Monstrum. Auch der Backofen ist so groß, dass ich darin einen Truthahn für 15 Personen zubereiten könnte. Das Backen von ein paar Fischstäbchen dauert den halben Tag, da er zum Aufheizen ewig braucht.

Blick in unseren Gefrierschrank

Da mir das Kochen auf diese Weise keinen Spaß macht und wir nicht jeden Tag essen gehen können, habe ich eine ganze Menge Tiefkühlgerichte gekauft. Im Supermarkt gibt es wirklich alles – egal ob amerikanisch, mexikanisch, indisch, chinesisch oder schwedisch. Selbst Köttbullar haben wir gefunden, wir müssen gar nicht zu Ikea fahren. Zum Glück ist mein Englisch nicht so gut, dass ich die Zutatenliste immer komplett verstehen würde. Es ist besser, wenn ich nicht so genau weiß, was drin ist. Woran ich mich noch gewöhnen muss ist die Zubereitung der Tiefkühlgerichte in der Mikrowelle. Sogar die TK-Pizza wird hier in der Mikro erwärmt, was sie nicht knuspriger macht.

Möchte jemand das Rezept :-)?

Aber genug gejammert, es gibt genug Licht am Ende des Tunnels: Erstens muss ich nicht mehr ewig auf meine Küchensachen warten. Solange das Schiff nicht sinkt, werden sie schon irgendwann ankommen. Und wenn es sinkt, zahlt die Versicherung und ich kann shoppen gehen. Zweitens kenne ich Sybille, die mich diese Woche schon mit selbst gebackenem Sauerteigbrot, selbst gekochter Pflaumenmarmelade und selbst gemachtem Quark beglückt hat. Sie ist ein Goldstück! Und drittens gibt es in den Supermärkten hier ein gigantisches Angebot an frischem Obst und Gemüse – und wer ein paar Cent mehr zahlt, kann es fertig geschnippelt kaufen. Wer braucht schon Messer?

Übrigens hatte Stephan die Tage von einem Arbeitsmeeting eine riesengroße Platte mit Kirschtomaten, Gurken-, Paprika- und Karottensticks sowie einen leckeren Dip mitgebracht. Seine Kollegen hatten sich lieber an den Keksen satt gegessen. Er muss mir jetzt Bescheid sagen, wenn er ein Meeting hat. Dann packe ich ihm eine Tupperdose in die Tasche.

Von Langeweile und Streß

Seit Stephan arbeiten geht, möchte Henry nicht mehr vor die Tür. Am liebsten möchte er in unserem Appartement bleiben und den ganzen Tag lesen, malen, spielen und Fernsehen gucken. Er geht nur raus, um ein bisschen im Pool zu schwimmen, aber erst abends, zusammen mit Stephan.

Henry chillt

Im Gegensatz zu ihm fällt mir die Decke auf den Kopf. Wir sind in KALIFORNIEN! Draußen ist das schönste Wetter. Die Sonne scheint, es ist nicht zu heiß und nicht zu kalt, ein leichter Wind weht – und wir sitzen drin. In wie vielen verregneten Nordsee-Urlauben habe ich von einem solchen Wetter geträumt?

In unserem Appartement fühle ich mich wie in einer Höhle. Ich würde so gerne mehr von Kalifornien sehen, aber Henry ist nach Ruhe. Er muss hier im fremden Land, dessen Sprache er noch nicht spricht, erstmal ankommen und die ganzen Eindrücke verarbeiten. Also chillt er mit einem Comic bewaffnet auf der Couch, und ich versuche es ihm gleich zu tun, auch wenn es mir in den Zehen juckt.

Gemüseplatte für die Meeting-Pause bei apple

Und während wir eine ruhige Kugel schieben, zeigt Stephan die ersten Streßsymptome. Das liegt weniger an seiner Arbeit als an uns. Auf der Arbeit hat er nette, witzige Kollegen, es gibt hippe Chill-Zonen im Freien, guten Kaffee und gesundes Essen.

Als er gestern gut gelaunt nach Hause kam, schwamm er zuerst mit Henry mehrere Runden im Pool, obwohl ihm nicht nach schwimmen war. Nach dem Abendessen eilte er zur Fed Ex-Station, da Fed Ex gestern genau in der Stunde kam, in der Henry und ich mit Polly Gassi waren. Da er das Paket bestellt und ich keine Vollmacht von ihm hatte, konnte ich ihm den Gang leider nicht abnehmen. Stephan musste bis ans andere Ende von Sunnyvale fahren. Als er angekommen war, erklärte ihm der Fed-Ex-Mitarbeiter, dass das Paket an der Rezeption unserer Wohnanlage liegt.

Auch Polly möchte vor die Tür

Also fuhr er wieder nach Hause, um festzustellen, dass die Mitarbeiter der Rezeption schon Feierabend hatten. Dann musste er online noch einen Dauerauftrag für die Miete einrichten. Da Online-Banking hier anders funktioniert als in Deutschland, hat er sehr lange dafür gebraucht. So lange, dass ich in der gleichen Zeit Henry ins Bett gebracht und ihm vorgelesen habe und anschließend mit ihm zusammen eingeschlafen bin. Er konnte mir erst heute Morgen erzählen, wie Online-Banking hier funktioniert.

Obwohl wir im Silicon-Valley sind, der Wiege neuer, bahnbrechender Technologien, erinnert das amerikanische Online-Banking an die Vorsintflut. Einen Dauerauftrag kann man zwar online einrichten. Das heisst aber nicht, dass das Geld einfach von einem Konto auf das andere überwiesen wird. Das heisst, dass die Bank einen Scheck in Höhe des Online-Auftrags ausstellt und dieser per Post an den Empfänger gesendet wird. Der Empfänger geht dann zu seiner Bank und löst den Scheck ein. Immerhin sind keine Brieftauben im Einsatz.

Ansonsten bezahlt man in den USA fast ausschließlich bargeldlos, mit Credit- oder Debitcard. Egal ob im Supermarkt, im Restaurant oder an der Tankstelle. Das ist einerseits sehr praktisch, bringt einen aber in Verlegenheit, wenn die Technik mal nicht funktioniert. Man gewöhnt es sich schnell ab, Bargeld mitzunehmen.

 

Schulbesuch in den Ferien

Alto International School

Die Welt ist klein. Als ich meiner Arbeitskollegin Anne vor ein paar Monaten während eines Kantinenessens von unserem geplanten Umzug erzählte, berichtete sie mir von ihrer Kusine Sybille, die schon seit vielen Jahren im Silicon Valley lebt, genauer gesagt in Redwood City.

Schon kurz vor unserer Abreise sorgte Anne dafür, dass ich Sybille kontaktieren kann. Letzte Woche haben wir uns das erste Mal getroffen, in einer Eisdiele in Downtown Mountain View. Was soll ich sagen – es  war total nett! Sybille gehört zur aufgeschlossenen Sorte Mensch und hielt mich ständig dazu an, ihr Löcher in den Bauch zu fragen. Sie hatte ihre beiden 12 und 15 Jahre alten Töchter dabei. Eva, die Jüngere, besucht die Alto International School, auf die auch Henry nach den Sommerferien gehen wird. Was für ein schöner Zufall.

Sybille bei der Arbeit

Die Alto International School ist eine Privatschule in Palo Alto, in der in deutscher Sprache unterrichtet wird. Die Kinder bekommen ab der ersten Klasse Englisch-Unterricht. Die Schule ist eine nette kleine Community, findet Sybille. Die Eltern kennen sich untereinander und viele treffen sich auch privat.

Das Kennenlernen wird unter anderem durch die Arbeitsstunden erleichtert, die man als Eltern leisten muss. Das können zum Beispiel Fahrdienste oder Mithilfe bei Festen oder Wettkämpfen sein. Sybille hat sich die Bücherei ausgesucht. Da dort während der Ferien das bestellte Arbeitsmaterial für die Schüler ausgepackt und sortiert wird, hat sie auch in der unterrichtsfreien Zeit zu tun. Sie schlug uns vor, heute einmal vorbei zu kommen, damit Henry das Schulgelände kennen lernt.

In der Bücherei

Die Bücherei hat ein sagenhaftes Angebot. Henry bekam ganz große Augen. Besonders hat er sich über die zahlreichen 3 ???-Bücher gefreut, die er noch nicht gelesen hat. Es gibt unzählige Bücher und Hörbücher für Kinder und Erwachsene, in deutscher und englischer Sprache. Ich habe ein Buch gespendet, das ich von Zuhause mitgebracht hatte (In der ersten Reihe sieht man Meer von Volker Klüpfel und Michael Kobr), und wurde aufgefordert, dafür gleich ein anderes vom Bücher-Tausch-Regal für Erwachsene mitzunehmen.

Henrys Schule beginnt am 16. August. Einen Tag vorher findet ein Kennenlern-Nachmittag statt, an dem sich Schüler, Eltern und Lehrer beschnuppern können. Vielleicht schaffen wir es, uns vorher noch mit zwei anderen Familien zu treffen, deren Jungs ebenfalls in die zweite Klasse kommen. Sie machen zur Zeit Ferien in Deutschland und kommen erst eine Woche vor Ferienende zurück. Sybille hat mir die Kontakte vermittelt. Wir sind schon sehr gespannt und freuen uns!

 

Lecker, lecker, Leckerli

Hundekekse mit Erdnussbutter – Pollys most favorite

So langsam aber sicher entwickelt sich unser „Silicon-Valley“-Blog in einen „Leben mit Hund“-Blog. Wer davon genervt ist, dem sei versichert, das sich das in den nächsten Tagen bestimmt ändern wird. Spätestens wenn Stephan zur Arbeit und Henry zur Schule geht werden uns andere Themen beschäftigen. Es kann aber auch sein, dass mir dann so langweilig ist, dass ich über unser Aquarium schreiben muss.

Whatever, bis es soweit ist, muss ich noch etwas loswerden: Nicht nur das Gassi gehen ist hier schwierig, noch viel komplizierter ist das Backen von Hundekeksen. Ich habe noch nie in meinem Leben Kekse für Hunde gebacken, weil ich es absolut überflüssig finde. Schließlich kann man die trockenen Dinger fast überall auf der Welt für wenig Geld kaufen, und Polly frisst sowieso alles, sogar die amerikanischen Hundekekse mit Erdnussbutter und Äpfeln. Auf diese Kombination muss man als Hundekeksbäcker erst einmal kommen.

Henrys Liste

Wie es nun zum Hundekeks backen kam? Wir schenkten Henry zum Geburtstag einen der viel gelobten Kosmos-Kästen mit dem Titel „Hundetraining – Für dich und deinen besten Freund“. Henry arbeitete sich zunächst ehrgeizig durch Lektion 1 –  Lerne deinen Hund kennen –  und erstellte eine Tabelle mit zwei Spalten. In die erste Spalte schrieb er verschiedene Situationen und in die zweite, wie Polly (bzw. Pollia – ihr Spitzname) sich jeweils verhielt. Zum Beispiel: Nachbar geht an unserer Haustür vorbei. Polly bellt laut und springt auf. Oder: Man wirft das Spielzeug. Polly bringt es nicht wieder. Als er mit der Liste fertig war, hakte er Lektion 2 und 3 der Einfachheit halber ungelesen ab und landete direkt bei Lektion 4: Hunde-Leckerli selbst machen.

Vorausschauender Weise hatte ich meine Küchenwaage und einen deutschen Messbecher ins Handgepäck getan und fühlte mich der Aufgabe gewachsen. Henry schrieb mir einen Einkaufszettel und ich fuhr zum Supermarkt, während er mit Stephan im Pool entspannte. Im Supermarkt verzweifelte ich. Ich fand weder Bergkäse, frische Hefe noch Dinkel-Vollkornmehl und Naturjoghurt nur im 2 Pfund-Eimer. Bei meiner Suche entdeckte ich dafür in der Abteilung für ausländische Lebensmittel neben den Regalen mit indischen und chinesischen Waren eins mit deutschen „Delikatessen“. Es gab Sauerkraut, Essiggurken, Rotkraut, bayerischen Senf und Pumpernickel. Die sind auf meiner Liste mit den Dingen, die ich am meisten vermissen werde, aber ganz weit oben.

Henry schmeckt’s

In Sachen Hundekeksteig mussten wir also umdisponieren. Wir ersetzten Frisch- durch Trockenhefe, Bergkäse durch Monterey-Cheese, Dinkelvollkornmehl durch Weißmehl. Eigentlich gehörte noch eine geraspelte Möhre in den Teig, aber da die Reibe nicht mehr ins Handgepäck passte, fielen die Möhrenstückchen etwas größer aus. Wir buken unsere Hundeleckerli bei 350 Fahrenheit, was ungefähr 180 Grad entspricht, und viermal länger, als im Rezept angegeben. Heraus kamen winzige Brötchen, aber keine Kekse. Zu meinem Trost kann ich sagen, dass sie Henry sehr gut schmecken. Es muss nicht immer süß sein.

Drive the dog

Sunnyvale ist grün, keine Frage. Es gibt Parks, viele Bäume, Grünflächen und ruhige Seitenstrassen. Was es allerdings nicht gibt, ist ein Wald oder größerer Park um die Ecke unseres Apartments.

Das macht es ein bisschen schwierig, mit Polly Gassi zu gehen. Man hat die Wahl, mit dem Hund einfach den Bürgersteig neben der vierspurigen Durchgangsstrasse entlangzugehen und zu hoffen dass er an einer nicht allzu peinlichen Stelle sein Geschäft verrichtet. Oder man rennt zum nächsten Park, dreht dort eine langsame Runde und rennt zurück, damit Polly auf dem Weg keine Zeit hat, in Vorgärten zu k…

Inzwischen sind wir dazu übergegangen, nur noch morgens, mittags und abends eine „walk the dog“ Runde durch unsere Wohnanlage zu machen. Zum Ausgleich versuchen wir Polly dann ab und zu was besonderes zu bieten. Am Pazifik waren wir ja schon, Halfmoon Bay ist tatsächlich sehr hundefreundlich.

Gestern haben wir dann nach einer etwas näher liegenden Option gesucht und sind auf den „Hunters Trail“ oberhalb von Cupertino gestossen. Der ist „nur“ 20 Auto-Minuten von unserem Apartment entfernt, also einen Katzensprung in amerikanischer Lesart. Der Hunters Trail selbst ist ein kurzer Rundweg (0.6 Meilen) an dessen Gipfelpunkt man eine tolle Aussicht über das Silicon Valley hat.

Obwohl es nicht viel Schatten gab und die Sonne wie bis jetzt jeden Tag ungestört auf uns herabknallte, sind uns mehrere Radfahrer und sogar zwei Jogger begegnet. Sonst war es aber ein willkommener Ausgleich zu Lärm und Hektik in Sunnyvale. Polly und Henry hatten jedenfalls Spass und wir kommen auf jeden Fall wieder.

Wer Wert auf Abgeschiedenheit legt, kann hier übrigens auch wohnen. In den Bergen rund um den Hunters Trail sind große Villen verteilt, die man alle nur über schmale Serpentinen-Strassen erreichen kann. Dafür braucht man dann im Winter (also bei Regen und Schlamm) tatsächlich mal den 4×4 Truck. Nur bei Gegenverkehr wird’s dann schwierig…

Feueralarm

Feuwehreinsatz nachts um 3

Die Bewohner der Wohnanlage Applewood in Sunnyvale fielen heute morgen um 3 Uhr geschlossen aus dem Bett. Um diese Zeit weckte sie ein ohrenbetäubender Lärm – der Feueralarm war ausgelöst. Schlaftrunken gingen wir zunächst davon aus, dass die Batterien eines Feuermelders leer waren, das ist uns zuhause schon passiert. Es dauerte einige Schreckmomente, bis wir realisierten, dass wir die Feuermelder nicht einfach ausstellen können. Panisch dachte ich kurz darüber nach, dass gleich einige Feuerwehrmänner unser Schlafzimmer stürmen, während ich mit hochgezogener Schlafmaske im zerwühlten Bett sitze. Stephan behielt zum Glück die Nerven und sorgte dafür, dass wir uns schnell etwas überzogen, Polly anleinten und das Treppenhaus hinunter liefen.

Auf dem Parkplatz standen schon unsere Nachbarn, müde und genervt. Man sah weder Feuer noch Qualm. Wenige Minuten später hörten wir Sirenen und kurz darauf hielten drei große Feuerwehrfahrzeuge vor unserem Wohnkomplex. Ein Feuerwehrmann ging mit einem Beil seelenruhig die Feuertreppe rauf, ein anderer kontrollierte die Tiefgarage. Nach fünf Minuten kamen sie wieder und gaben Entwarnung.

Gemeinsam mit unseren Nachbarn gingen wir zurück in die Wohnanlage, nicht ohne vorher gefragt worden zu sein, ob wir in Appartment 208 wohnen. Dort wurde der Alarm ausgelöst. Ich frage mich, was passiert ist und ob der Bewohner für die Kosten des Einsatzes aufkommen muss.

An Schlaf war danach erst einmal nicht zu denken, wir waren verfroren und hellwach. Was für eine Aufregung mitten in der Nacht!

Tagwerk Autokauf

Autohaus

Stephan ging der Toyota Prius, den er vorgestern Probe gefahren war, trotz des schlechten Fahrgefühls nicht mehr aus dem Kopf. Der Grund: Ein Freund hatte ihm geraten, ein neueres Modell zu testen. Also machten wir uns gestern Vormittag auf ins 12  Meilen entfernte San Jose, wo sich auf dem Stevens Creek Boulevard ein Autohändler an den nächsten reiht.

Beim ersten Händler sprach uns Sally an, eine sehr freundliche und motivierte Autoverkäuferin. Wie motiviert sie war, zeigte sich im Laufe des Tages, als sie das Unmögliche möglich machte.

Henry vor einem BMW-Oldtimer

Nach einer Probefahrt stellte Stephan fest, dass sich das neuere Prius-Modell tatsächlich besser fahren lässt. So entschied er sich spontan zum Kauf. Die Verkäuferin war glücklich, doch ihre Freude währte nur kurz. Zuerst einmal begann Stephan, den Preis zu verhandeln. Er zeigte ihr im Internet Vergleichsangebote von anderen Autohändlern. Mehrere Male lief sie zu ihrem Chef, um den Preis zu klären. Ich fuhr mit Henry währenddessen nach Hause, da es bereits Mittag war.

Nachdem der Preis fest stand, versuchte Stephan mit Sallys Unterstützung eine Online-KFZ-Versicherung abzuschließen. Sie scheiterten an der kalifornischen driver-licence, die Stephan noch nicht besitzt. Die Verkäuferin musste eine halbe Stunde mit einem Versicherungs-Mitarbeiter telefonieren, bis Stephan mit seinem Internationalen Führerschein und dem Versprechen, die driver-licence nachzureichen, eine Versicherung abschließen konnte.

Dann fuhren sie gemeinsam zu Stephans Bank, um Schecks zu holen, denn hier ist es üblich, ein Auto per Scheck zu bezahlen. Die Bank weigerte sich allerdings, Schecks herauszugeben, da Stephans Konto nicht die erforderliche Deckung  aufwies. Wieder musste Sally mit ihrem Chef sprechen. Sie erreichte, dass Stephan 2000 Dollar in bar anzahlen konnte und die restliche Summe in zwei Tagen mittels Scheck nachreichen darf. Bis dahin ist hoffentlich das schon vor mehreren Tagen überwiesene Geld auf dem Konto. Zur Sicherheit kopierten sie Stephans Kreditkarte.

Fiat 500 als e-car

Stephan war auf der Zielgeraden – aber noch lange nicht fertig. Sie schickten ihn ins Financial Department des Autohauses, wo man ihm diverse Zusatzversicherungen verkaufen wollte. Der Mitarbeiter versuchte alles, und bot einen Rabatt nach dem anderen an. Doch Stephan blieb stur. Aus purer Verzweiflung schenkte ihm der Mitarbeiter zum Schluss ein Jahr Gratis-Inspektions-Service und drohte damit, seinen Job zu kündigen, wenn er auch diesen ablehnen würde. Dann dauerte es noch eine Dreiviertelstunde, bis Stephans  Papiere fertig waren und er das Auto mitnehmen durfte.

Gegen 5 Uhr war er zuhause. Dort begann er zu grübeln, ob seine Kaufentscheidung richtig war. Wenn das Sally wüsste.

Ich habe beim gleichen Autohändler einen Fiat 500 als Elektroauto gesehen und mich sofort verliebt. Ich befürchte allerdings, dass Sally sofort die Flucht antritt, sollten wir noch einmal dort aufschlagen.

Update: Haus Nr. 3

Eingang von Haus Nr. 3

Gesten hatten wir um die Mittagszeit einen Termin mit dem Vermieter von Haus Nr. 3, in das wir uns letzte Woche verguckt hatten. Er heißt Frank und ist ein Original. Ich schätze ihn auf Ende 50, Anfang 60. Seine Frau hat deutsche Wurzeln, genauer gesagt wurde sie in Deutschland gezeugt und in Amerika geboren. Frank ist bei unserem nunmehr 2. Gespräch mehr ins Detail gegangen, als uns lieb war. Seine Mutter ist 85 und fährt noch jeden Tag Auto, genau wie ihre zwei älteren Schwestern. Zudem geht sie regelmäßig zum Zumba.

Glücklicherweise liebt Frank Hunde über alles und hatte auch seinen eigenen, riesigen Hund mit dabei. Jack, so sein Name, musste im Auto warten – bei geöffnetem Fenster, damit er nicht kollabiert. Der Arme hat irgendeine Krankheit. Welche, haben wir leider nicht verstanden. Aber seitdem er regelmäßig zur Akupunktur geht, fühlt er sich besser.

Wohnzimmer mit Kamin

Dies alles und noch viel mehr haben wir von Frank erfahren, bevor er uns endlich den Mietvertrag aushändigte. Rund 80 Prozent der Häuser im Silicon Valley, so erklärte uns Nick, werden nicht an Hundebesitzer vermietet. So haben wir großes Glück, dass gerade Haus Nr. 3 einem Hundefreund gehört. Vermutlich haben wir den Zuschlag nur dank Polly bekommen.

Wir sind total happy und erleichtert, dass wir so schnell eine neue Bleibe gefunden haben. Der Mietvertrag läuft ab 1. August. Vorher lässt Frank noch ein paar Sachen in Ordnung bringen. Der Kühlschrank muss repariert, die Teppiche in den Schlafzimmern gereinigt und die Terrassenplatten erneuert werden. Wir hoffen, dass spätestens am 20. August unsere Möbel kommen und wir einziehen können.

Orangenbaum im Garten

In Gedanken habe ich die Räume schon eingerichtet. Wie in Amerika üblich hat jedes der Schlafzimmer einen Einbauschrank. Neben dem Wohnzimmer hat man von drei weiteren Zimmern einen direkten Zugang zum Garten. Das finde ich großartig. Der Garten selbst ist großflächig gemulcht, da Rasen sehr viel Wasser benötigt, und das ist hier bekanntermaßen knapp. Hochbeete wären eine Idee, um Gemüse anzubauen. Üblich ist hier auch, dass die Gartenpflege im Mietpreis enthalten ist. Es wird ungewohnt sein, die Gartenarbeit nicht mehr selbst zu erledigen.

Das Haus ist insgesamt sehr hell und freundlich. Aber kommt uns einfach besuchen und seht selbst. Ach ja, Haus Nr. 3 hat die Hausnummer 587.

Stephan fährt Probe

Eigentlich müsste jetzt hier ein Stau-Bild sein…

Kalifornien ist ganz weit vorne, was den Umweltschutz und Energieeffizienz angeht. Ein Nebeneffekt davon ist, dass man die „Car pool lane“ ….

So hat Stephan gestern seinen ersten Blogbeitrag begonnen. Dann hat er sich erschöpft aufs Bett gelegt, ist eingeschlafen und erst heute morgen um 6.30 Uhr wieder aufgewacht.

Was er eigentlich sagen möchte: Er denkt darüber nach, ein Hybrid-Auto zu kaufen. Denn obwohl die Highways hier 6 Fahrspuren haben, steht man morgens auf dem Weg zur Arbeit im Stau. Wer allerdings mit mehreren Personen im Fahrzeug sitzt oder ein Hybrid- oder e-car fährt, darf eine extra Spur benutzen, die sogenannte „Car pool lane“.

Stephan hatte schon seit längerem einen Toyota Prius ins Auge gefasst und ist gestern zu einem Autohändler, um ihn Probe zu fahren. Um es abzukürzen: Es ist nicht sein Auto. Die Lenkung schwammig, das Display überfrachtet und der Motor heult bei jeder Gelegenheit auf, ohne dass sich das Auto vorwärts bewegt. So geht die Autosuche also weiter. Am nächsten Montag ist sein erster Arbeitstag, mal sehen, für was er sich bis dahin entscheidet. Ich bleibe entspannt: Von unserer derzeitigen Bleibe bis zu seinem Büro sind es nur 2 Meilen.

google-Fahrrad

Wenn alle Stricke reißen, „leihen“ wir uns ein google-Fahrrad. Die auffällig bunten Drahtesel wurden zahlreich für die Mitarbeiter angeschafft. Da sie nicht gesichert sind und auch privat genutzt werden dürfen, sind schon einige abhanden gekommen. Erst gestern haben wir eins zwischen den Sträuchern vor unserer Wohnanlage entdeckt.

Tag am Meer

Auf dem Weg nach Half Moon Bay

Obwohl wir schon fast eine Woche da sind, hatten wir es bislang noch nicht geschafft, ans Meer zu fahren. Und dabei haben wir den Pazifik direkt vor der Haustür. So machten wir uns heute morgen auf zum Half Moon Bay State Beach. Dieser wunderschöne Küstenabschnitt liegt 28 Meilen südlich von San Francisco im San Mateo County. Von Sunnyvale aus nimmt man den Freeway 280 Richtung Norden und fährt anschließend über die Bergkette, die das Silicon Valley vom Pazifik trennt. Inklusive Stau brauchten wir eine knappe Stunde.

Als wir zur Mittagszeit ankamen, fuhren wir zuerst ins Ortszentrum von Half Moon Bay, einem rund 11.000 Einwohner zählenden Küstenstädtchen mit zahlreichen Cafes, Galerien und Boutiquen. Am Wochenende ist es etwas überlaufen, da es bei Touristen und Einheimischen gleichermaßen beliebt ist. Trotzdem ist es auf jeden Fall einen Besuch wert, wenn man nicht Mann, Sohn und Hund dabei hat, die alle drei nichts vom bummeln gehen halten.

Southwest Salad im San Benito House

Doch essen gehen geht immer, und so landeten wir auf der gemütlichen, von großen Bäumen beschatteten Terrasse von San Benito House auf der Main Street. Bei Livemusik werden hier die angeblich besten Burger und das beste BBQ der ganzen Pazifikküste serviert. Dass es lecker ist können wir bestätigen, aber auch ungewohnt scharf. Ich hatte einen Southwest Salad mit pulled Pork und musste mir ein anderes Dressing geben lassen. Das erste schmeckte wie pures Tabasco.

Nach dem Essen sind wir weiter zum Strand. Der Hauptparkplatz war bereits voll, und so parkten wir ein paar Meter weiter in einer Seitenstraße.

Der Strand selbst ist ein Traum. Er zieht sich kilometerlang hin und trotz des starken Besucherandrangs hatten wir das Gefühl, er gehört uns alleine. Polly ist immer wieder zum Meer gelaufen und hat versucht, irgendetwas zu fangen. Wellen, Schaumkronen, Krebse? Danach hat sie große Löcher gebuddelt und ist immer wieder wie ein Turbo umher geflitzt.

 

Wenn wir uns in der Nähe der Felsen aufhielten, saßen wir warm und windgeschützt. Direkt am Wasser dagegen wehte ein ordentlicher Wind, so dass es für eine Gänsehaut reichte. Beim nächsten Mal werden wir eine Strandmuschel und einen Sonnenschirm mitnehmen, die sind noch im Umzugscontainer.

Es war ein tolles Ausflugsziel für Henrys Geburtstag. Heute ist einer der Tage, an dem man besonders spürt und traurig darüber ist, dass die Freunde weit weg sind. Vielen Dank an alle, die an Henry gedacht haben, er hat sich sehr über die Geburtstagsgrüße gefreut. Sein Geburtstagskuchen war übrigens ein Käsekuchen mit Himbeeren. Saulecker!