Vom coffeemeeting, das keines war

Es soll ja Kinder geben, die nach Schulschluss ohne Punkt und Komma berichten, was sie erlebt haben oder was ansteht. Henry gehört nicht dazu. Seit vier Wochen geht er nun auf die Alto International School und hält sich weitestgehend bedeckt, zumindest was Schulangelegenheiten betrifft. Trotzdem fühle ich mich gut informiert:

Newsletter

Die Schule verschickt wöchentlich einen Newsletter an alle Eltern mit wichtigen Informationen und Terminen. Außerdem bekommt man regelmäßig emails von der Elternsprecherin, unter anderem mit einer aktuellen Liste der zu vergebenden Freiwilligendienste. Von den Lehrern bekommt man emails mit allgemeinen Informationen zum Unterricht und diese Woche mit einer persönlichen Beurteilung, wie Henry den Schuleinstieg gemeistert hat. Nebenbei gibt es einmal im Monat einen Kaffeeklatsch, der freitags um 13.30 Uhr auf dem Schulgelände stattfindet. Er dient vor allem dem Kennenlernen anderer Eltern.

Letzten Freitag war ein coffeemeeting für die Eltern der Zweitklässler für 8.30 Uhr terminiert. Da ich davon ausging, dass es sich um ein coffeemeeting handelt, saß ich freitagsmorgens entspannt beim Frühstück – so lange, bis Henry meinte, dass an diesem meeting auch seine Klassenlehrerin teilnehmen würde, um von ihrem Unterricht zu berichten. So schnell war ich noch nie angezogen. Ich brachte Henry zur Schule und setzte mich dort in den Konferenzraum. Kaffee gab es tatsächlich, aber ansonsten glich das coffeemeeting dem, was man in Deutschland unter einem Elternabend versteht.

Zum Unterrichtsthema „Emotionen und der Umgang damit“ führten Schüler aus Henrys Klasse vor, was ihnen hilft, wenn sie sich schlecht fühlen: Cooper meditierte, Kai machte Yoga und Thalia las ein Buch. Danach zeigten die beiden Lehrerinnen  der zweiten Klassen eine Präsentation zum allgemeinen Unterrichtsalltag, Lerninhalte und -ziele. Es gab einen kurzen Videofilm und anschließend wurde über Hausaufgaben, das Umkleiden für den Sportunterricht, das Waschen der Sportklamotten und so weiter diskutiert. Alles wie in good old Germany, aber mir fehlte die Diskussion, ob Apfelschorle nun erlaubt ist oder nicht. 

Da die Schule privat ist und das gezahlte Schuldgeld nicht ausreicht, um alle Kosten zu decken, wird man immer wieder mit dem Thema Finanzierung und Spenden konfrontiert. So können Eltern für ein Jahr einen Parkplatz ersteigern, der ausschließlich ihnen vorbehalten ist. Ihr könnt euch vorstellen, was dort normalerweise parkt. Wie hübsch würde sich ein Fiat 500e zwischen all den dicken SUVs machen. Einfach mal ein Zeichen setzen. Wenn ich es mir nur leisten könnte…

Außerdem sind alle aufgefordert, ein Event anzubieten, dass man ersteigern kann. Manche haben ein Boot oder Ferienhaus, dass sie dafür sie zur Verfügung stellen. Oder einen Rundflug im eigenen Sportflugzeug über San Francisco im Angebot. Andere machen eine Poolparty für 10 Kinder oder ein Movie-Event mit Popcorn. Das Geld, das die Teilnehmer zahlen, kommt der Schule zugute. Mir fehlt noch eine zündende Idee, was wir anbieten könnten. Ich bin für (fast) alles offen.

5 thoughts on “Vom coffeemeeting, das keines war”

  1. Von dieser Form der Information kann man in good old Germany nur träumen. Kein Wunder, dass das Geld nicht reicht 😉 Rundflug? Wie langweilig 🙂
    Du als Garten-Spezialistin könntest doch einen „Fairy-Garden-Workshop“ anbieten. Dann hätten sie auch was, was sie mit nach Hause nehmen können. Hier mal ein Beispiel auf die Schnelle (es gibt sicher noch bessere): https://www.youtube.com/watch?v=MjxwGRSDxTY

  2. Was hattest Du Dir denn unter einem Coffee Meeting vorgestellt? Offensichtlich etwas, von dem Du glaubtest, nicht hingehen zu müssen 😉

  3. Liebe Tina ich finde du solltest einen Back- Workshop fürs Kids anbieten. Mit zuckerrediziertem Gebäck. Anti-Fastfood. Einfach mal ein Zeichen setzen. DiY. Das kannst du doch. Ich denke da haben die Amis Nachholbedarf. .. Schöne Zeit und liebe Grüße.

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