Von wegen: It never rains…

Wer demnächst nach San Francisco fliegt und sich beim Blick aus dem Fenster in Höhe Palo Alto über ein blaues Bauwerk wundert, der weiß jetzt: Da wohnen WIR. Und das kam so:

Pollys Meinung zum Wetter

Seit ein paar Tagen regnet es und seit gestern so stark, als gäbe es kein morgen. Der Himmel hat nach monatelangem Schlummerschlaf seine Schleusen geöffnet und kriegt sich nun gar nicht mehr ein. Bei Starkregen in einem unisolierten kalifornischen Holzhaus zu sitzen hat was von Camping. Der Regen prasselt laut gegen Fenster und Wände, man hat das Gefühl, gleich davon zu schwimmen. Aber wenigstens ist es trocken, dachte ich, bis ich in die Garage ging und dort die Wäsche in die Maschine stopfte. Ein eiskalter Wassertropfen lief mir den Nacken runter, und ihm folgten noch einige weitere. Das Flachdach über Waschmaschine und Trockner war vom vielen Regen durchgeweicht.

Kunst am Bau

Unser Vermieter, faule Socke und Fuchs in einem, schlug  vor, einen Eimer unterzustellen. Das hielten wir für eine außergewöhnlich gute Idee und teilten ihm das auch mit. Daraufhin bekam er Schiss, das wir die Miete mindern. Er schickte uns zackig einen Arbeiter vorbei. Der junge Mexikaner hatte den Auftrag, eine Plane auf dem Dach zu verlegen, um die undichte Stelle abzudecken. Als er dann da oben stand und feststellte, dass er in seinem Leben noch nichts Großes erreicht hatte, dachte er wohl beim Anblick des quietschblauen Plastiks: „Hey, was Christo kann, kann ich schon lange.“ Und kaum hatte er den Gedanken fertig gedacht, war das Dach mitsamt Haus verhüllt. Wir warten nun auf die ersten japanischen Touristen.

Geheimwaffe gegen Apple-Viren

Obwohl das Wetter für die Jahreszeit typisch ist, weigert man sich, die Infrastruktur des Valleys anzupassen. Gestern Abend waren wir zum Beispiel ohne Strom. Es machte kurz fziepz und das Licht ging aus, gemeinsam mit allen anderen elektrischen Geräten im Haus. Panisch weckte ich Stephan, der seit dem Wochenende mit einer fiebrigen Erkältung kämpft und bereits tief und fest geschlummert hatte. Es geht gerade ein Apple-Virus rum. Aber keine Sorge, es legt keine Rechner flach, nur die Mitarbeiter.

Während ich nach dem Sicherungskasten suchte, schaute er nur kurz aus dem Fenster, um festzustellen, dass die gesamte Straße ausgeknipst war. Dann legte er sich wieder ins Bett. Ich hingegen manövrierte mich mit einer Taschenlampe bewaffnet ins Bad und anschließend ins Bett. Ich träumte von eiskalten Duschen und aufgetauten Gefrierschränken. Zum Glück dauerte der Stromausfall nicht lange.

Auch Autofahren ist bei diesen Wetter ein Abenteuer, wenn man nicht gerade mit einem Monster-Truck unterwegs ist. Vollgelaufenen Schlaglöchern kann man noch ausweichen, aber die extra angelegten Straßenmulden zur Geschwindigkeitsminderung sind tückisch. Sie stehen so voller Wasser, dass ich jedesmal Angst habe, mit meinem kleinen Fiat darin abzusaufen. Hoffentlich kriegt sich der Himmel bald wieder ein.

4 thoughts on “Von wegen: It never rains…”

  1. Da bin ich ja beruhigt :
    Nur das Garagendach etwas undicht.
    Bei anderen Kaliforniern hat es gleich das ganze Haus weggeschwemmt!

    Ein Stromausfall ist wohl so ungewöhnlich nicht im Trumpland – sogar bei der CES ist es dunkel geworden. Ihr ward also in bester Gesellschaft 😉

  2. Da hast du Recht. Seit wir hier wohnen wurden die USA von vielen Naturkatastrophen heimgesucht. Uns geht es gut, ein undichtes Dach ist nicht der Rede wert.

  3. Andererseits sind das mal erfrischend echte Probleme im Gegensatz zu „dem Jan-Luca ist der Dinkelkeks runtergefallen“. Think positiv 😉

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