Welcome new neighbors

Einladung zum Nachbarschaftsfest.

Was für ein Samstag. Schon vor einiger Zeit hatten wir eine Einladung zur Block Party in unserer Straße bekommen. Eine gute Gelegenheit, endlich unsere neuen Nachbarn kennen zu lernen. Ein paar hatten wir schon auf der Straße getroffen und dabei erfahren, dass wir nicht die einzigen Neuankömmlinge sind. Wir waren also sehr gespannt.

Um 9 Uhr morgens startete das Straßenevent mit einem Flohmarkt. Wir legten eine Picknickdecke in die Einfahrt und drapierten ein wenig Spielzeug, da wir davon ausgingen, dass nur die Kinder der Straße untereinander handeln würden. Was wir nicht wussten: An der Middlefield Road, einer stark frequentierten Straße, hatten die Kinder ein Schild aufgehängt mit dem Hinweis auf einen großen Street Garage Sale in unserer Bryson Ave.

Flohmarkt in unserer Garageneinfahrt.

Schon kurz nach 9 ging es hier zu wie auf einem arabischen Basar. Stephan und ich reagierten schnell, zogen das Garagentor auf und packten alles raus, was von Deutschland unnötigerweise mit umgezogen war. 

Lampen, Teppiche, ein Kindersitz, Koffer, Elektro-Kram, Kleidung und Spielzeug wechselten den Besitzer. Es machte einen Riesenspaß. Stephan musste zwischendurch zum Geldautomaten fahren um Wechselgeld zu besorgen. Natürlich schauten wir auch, was die Nachbarn anboten und Henry kaufte sich ein paar Heelys für 5 Dollar. Heelys sind eine Mischung aus Roll- und Skater-Schuh mit einer in der Sohle versenkbaren Rolle. Man kann mit ihnen normal laufen oder skaten.

Am Dunes Beach

Um 13 Uhr war der Flohmarkt vorbei und wir packten unsere Strandsachen, um zur Beachparty von Henrys Schule zu fahren. Sie fand am Dunes Beach in Half Moon Bay statt. Von halb 3 bis 5 Uhr saßen wir also am Strand, Stephan bekam seinen obligatorischen Sonnenbrand und Henry hatte Spaß am Wasser. Um 5 packten wir wieder alles ein, fuhren nach Hause und machten uns für das Straßenfest fertig.

Die Nachbarn hatten an alles gedacht: Straßensperrung, Riesen-Gas-Grill, Zelt mit Buffett, ein Nachbarsjunge gab den DJ und ein anderer begeisterte alle bis 12-Jährigen mit seiner Riesen-Popcornmaschine. Die Stimmung war super und es war leicht, mit den Nachbarn ins Gespräch zu kommen.

Mary mit der leckeren Schokotorte.

Am längsten wohnt hier Mary, deren Haus ihr Vater vor rund 70 Jahren für 17.000 Dollar gebaut hat. Mit ihrer Immobilie ist sie heute eine reiche Frau. Wir wurden von ihr mit einer herzlichen Umarmung begrüßt. Mary war außerdem verantwortlich für eine bombastische Schokotorte, die uns mit der Aufschrift „Welcome new neighbors“ anlachte.

Zwei Häuser weiter von uns wohnt noch eine Tina. Sie kommt aus Shanghai, hat dort die letzten Jahre gelebt, ist aber in den USA aufgewachsen. Wir haben trotz meiner Englischkenntnisse über Gott und die Welt geredet, zum Schluss landeten wir bei Haushaltshelfern, die unser Leben veränderten. Sie hat einen Roboter-Staubsauger, der zwar nicht besonders intelligent ist, ihr aber ein gutes Gefühl gibt. Außerdem erfuhren wir, zu welchem Friseur alle Nachbarn gehen und in welchem Block es an Halloween am gruseligsten zugeht. Mal ehrlich, ein noch so toller Reiseführer kann einfach keine Nachbarn ersetzen.

Auf der Suche nach Abkühlung

Ikea-Ausfahrt in East Palo Alto

Was tut man, wenn es über 40 Grad heiß ist, man in einem ungedämmten Holzhaus wohnt und keine Klimaanlage hat? Richtig. Man fährt zu Ikea in East Palo Alto. Natürlich waren wir nicht die Einzigen, die auf die Idee kamen. Der schwedische Möbelriese war so voll wie die Wiesbadener Fußgängerzone an Allerheiligen. Nur bunter. Inder, Chinesen, Japaner, Franzosen, Schweden, Mexikaner – hier geht’s international zu und ohne Probleme hätten wir alle gemeinsam eine prima Benetton-Werbung abgegeben, nur ohne Wollpullis.

Ganz entspannt

Nach langer Parkplatzsuche und einem flotten Gang über den flirrend heißen Parkplatz konnten wir im wohltemperierten Möbelhaus erst einmal tief durchatmen. Manche waren so erschöpft, dass sie auf den Ausstellungsstücken einschliefen. Danach sehnten wir uns auch, die Hitze schlaucht ungemein, aber inmitten einer durchlaufenden Menschenmenge wegzuknacken – Hut ab. Die Kunden werden vom Personal auch nicht geweckt und ich habe mich gefragt, ob ab und zu mal jemand kontrolliert, dass noch alle atmen.

Speisekarte

Auch in East Palo Alto muss man nicht auf Kötbullar verzichten. Sie heißen hier Swedish Meatballs und sind für 5,99 Dollar zu haben. Wir machten um das Restaurant einen großen Bogen, denn es platzte aus allen Nähten. Stattdessen packten wir eifrig Lampen, Schüsselchen, die obligatorischen Teelichte, Vorhänge, Badezimmermatten und ein bisschen Deko in unseren Einkaufswagen. Und ein kleines Wohnzimmer-Regal für die Fische, damit sie nicht mehr länger im Bad stehen müssen.

Schlangen vor den Kassen

Als uns nichts mehr einfiel, gingen wir zu den Kassen. Hier waren die Schlangen so lang wie im Restaurant, doch es ging zum Glück schneller voran. Während Stephan zum Bezahlen anstand, stellte ich mit mit Henry beim Ikea-Food-Shop an. Für ein Ein-Dollar-fat-free-frozen-yogurt-ice haben wir eine halbe Stunde gewartet. Aber versprochen ist versprochen. Henry hatte während des Einkaufs hart dafür gearbeitet und sich das Jammern verkniffen.

Doch wie das bei Ikea so ist: Man fährt IMMER zweimal hin. Natürlich passt die neue Lampe nicht über den Esstisch und deshalb wird sie umgetauscht. Aber wann, das wissen wir noch nicht. Die Temperaturen sollen jetzt Gott sei Dank erstmal wieder fallen.

Von Montag bis Freitag

So langsam kehrt bei uns ein neuer Alltag ein. Und der ist nicht nur in Sachen Wetter ein anderer als in Deutschland. Henrys Schule beginnt erst um 8.15 Uhr und wir fahren eine Viertelstunde mit dem Auto durch Palo Alto, bis wir dort sind. Auf dem Weg zur Arbeit nach Sunnyvale nimmt Stephan ihn meistens mit. Ich habe dann Zeit, um mit Polly erst einmal in den Hoover-Park zu gehen.

Henry hat fast die gleichen Fächer wie in Deutschland. Der Unterschied ist, dass es hier keinen Religions- oder Ehtikunterricht aber dafür Englisch und Technik gibt. An der Schule wird sehr darauf geachtet, dass die Schüler respektvoll und freundlich miteinander umgehen, und die Lehrer leben es vor. Zu Schulbeginn und -ende steht die Lehrerin an der Klassenzimmertür, wechselt mit jedem Schüler ein paar Worte und begrüßt beziehungsweise verabschiedet ihn mit Händedruck. Insgesamt werden die Kinder sehr viel mehr gelobt und motiviert. Im Englisch-Unterricht wird manchmal meditiert und in Deutsch lesen auch mal die Viertklässler den Zweitklässlern etwas vor.

Wer gut gearbeitet hat bekommt Aufkleber wie diesen

Das klingt nach Ponyhof, doch Ärger und Konflikte gibt es hier auch. Gott sei Dank. Schließlich sollen die Kinder lernen, damit umzugehen. Der Unterschied ist, dass die Lehrer hier ganz andere Möglichkeiten haben, auf die Kinder einzugehen und zu vermitteln. Das liegt unter anderem an der geringen Klassengröße. In Henrys Klasse sind nur 11 Schüler.

Montags muss Henry bis 14:50 Uhr büffeln, an den restlichen Tagen bis 14 Uhr. Manche Kinder gehen danach in die einstündige Hausaufgabenbetreuung oder in den Hort. Zusätzlich bietet die Schule nachmittags tolle Kurse an, die man extra bezahlen muss. Darunter Kochen, verschiedene Sportarten, Basteln, Yoga und Chor. Henry hat sich für Basketball am Dienstag und Malen am Donnerstag entschieden. Danach muss er noch Hausaufgaben machen, aber da er für einen Zweitklässler relativ lange Unterricht hat, sind diese überschaubar.

Basketball-Training auf dem Schulhof

Die Schule nimmt an dem deutschen Antolin-Programm teil. Hierfür müssen die Kinder Bücher lesen und anschließend inhaltliche Fragen auf der Antolin-Webseite beantworten. Da Henry gerne liest und noch lieber vor dem Computer sitzt ist das genau sein Ding. Wenn die Klasse zusammen 100 Bücher gelesen hat, lädt die Lehrerin sie zum Pizza essen ein. Auch genau sein Ding.

Wenn ich Henry abgeholt habe, verläuft der restliche Nachmittag ruhig. Hausaufgaben, Gassi gehen, fernsehen, Essen kochen. Um 17.30 Uhr oder später kommt Stephan nach Hause, wir essen zu Abend und dann ist der Tag auch schon rum.

Wohnst du noch…

Zwischenlagern in der Garageneinfahrt

Das war der längste Umzug unseres Lebens: Nachdem unser Möbelcontainer am 7. Juli in Saulheim vollbepackt auf die Reise ging, ist er am 22. August vor unserer Haustür in Palo Alto angekommen, nach sechseinhalb Wochen. Schade, dass er nicht erzählen kann, was er alles erlebt hat.

Am 12. August war das Containerschiff bereits im Hafen von Oakland vor Anker gegangen. Wir hatten Glück, dass der Zoll unsere Sachen durchgewunken hat, sonst hätten wir noch länger warten müssen.

Die Umzugsfirma hatte uns gebeten, bei Ankunft unserer Sachen zu zweit zu sein, damit einer die Kartons auf der Liste abhaken und der andere die Möbelpacker anweisen kann. Nachdem ich Henry in die Schule gefahren hatte, ging es auch schon rund. Zunächst wurden die Leihmöbel abgeholt. Anschließend waren sechs Männer einen ganzen Tag lang damit beschäftigt, unsere Kartons und Möbel ins Haus zu tragen, aufzubauen und den Verpackungsmüll zu entsorgen.

Küche mit Schreibtisch

Nachdem Möbel um Möbel, Karton um Karton reingetragen wurden, hatte ich zwischenzeitlich das Gefühl, dass das Haus aus allen Nähten platzt. Drei Wochen mit wenigen Leihmöbeln – und schon hat man sich an einen reduzierten Wohnstil gewöhnt. Ich wurde leicht panisch, als ich unser großes Sofa zum ersten Mal im neuen Wohnzimmer sah. Es schien alles zu erschlagen. Aber letztlich ließ sich alles lösen. Das Sofa wurde gedreht, und schon sah es besser aus. Mein kleiner Schreibtisch steht nun in der Küche, dafür fungiert unser Küchenesstisch nun als Schreibtisch.

Palo Altos höchste Erhebung

Die leeren Kartons, die in den letzten Tagen noch nach und nach angefallen sind, lagere ich seitlich am Haus, bis sie von der Umzugsfirma abgeholt werden. Auf diese Weise ist ein hoher Berg angewachsen, der uns mittlerweile das Licht im Wohnzimmer nimmt. Außerdem muss ich aufpassen, dass ich die Kartons nicht rüber zum Nachbarn werfe. Auch wenn mir danach ist.

Stephan kämpft derweil mit butterweichen Rigipswänden. Gestern hat er versucht, Henrys Bücherregal an der Wand zu verankern. Das Löcher bohren war sehr einfach und wäre auch mit einem gespitzten Bleistift gegangen. Alles andere war schier unmöglich. Jeder Versuch, einen Dübel in der Wand zu fixieren, war zum Scheitern verurteilt. Spätabends hat Stephan völlig entnervt Hohlraumklappdübel bei Amazon Prime Free Same-Day bestellt. Hoffentlich reißen sie keine handtellergroßen Löcher in die Wand.

Die polnischen Pollys – eine Gute-Nacht-Geschichte

Der Autor Henry

Es war einmal in Polen eine Hunde Gang. Sie aßen in Restaurants und tranken aus Brunnen. Sie fühlten sich in der Freiheit sehr wohl. Sie wühlten durch Mülltonnen und guckten dort nach Decken auf denen sie schlafen konnten.

Es war gerade Morgen. Die Hunde fragten sich wo sie essen sollten. In der Pizza Bude waren sie gestern schon gewesen. Sie enschieden sich für McDonald’s. Sie aßen alle eine gebratene Wurst. Die Wurst schmeckte ihnen. Eines Tages wollten sie eine Seefahrt machen doch sie hatten kein Geld. Was sollten sie tun? Sie wollten es nicht aber sie mussten einfach beissen raaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaahhhhhhhhhh. Sie hatten die Seeleute gebissen um aufs Schiff zu kommen. Ganz viele Leute erschraken und riefen den Tierfänger. Es dauerte keinen Moment länger und dann kam auch schon ein großer Wagen. Im Wagen war es dunkel. Die Hunde hatten Angst. Nach ungefähr fünf Minuten Fahrt waren sie da. Ein rotes Licht blinkte auf und eine Sirene war zu hören. Dann war alles still. Ein Gitter ging auf und die Hunde wurden rein geschubst.

Die Gitter schmelzen

Die Hunde saßen jetzt schon seit Tagen im Käfig. Sie fühlten sich überhaupt nicht wohl denn es war eng und kalt. Da stieg ihnen plötzlich Zigarettenrauch in die Nase. Sie sahen zum ersten Mal dass der Tierfänger rauchte. Doch plötzlich fiel die Zigarette auf den Boden. Sie zündete das ganze Haus an. Der Käfig schmolz und Löcher brannten in die Wand. Die Hunde rannten schnell raus. Und wenn sie nicht gestorben sind dann machen sie noch heute Polen unsicher.

„I can see red“

Henry’s Lesestoff

Hoch die Hände, Wochenende! Henry hat seine erste (halbe) Schulwoche fröhlich und entspannt hinter sich gebracht und damit fällt mir ein großer Stein vom Herzen. Für mich war die Einschulung aufregender als für ihn. Jetzt bleibt zu hoffen, dass seine Begeisterung für die Schule eine Weile anhält.

Nachdem er sich in den ersten Englisch-Stunden nicht wohl gefühlt hat, weil er als Einziger nur Deutsch spricht, kann er nun schon seinen ersten Satz: „I can see red“. Ich bin sicher, dass er ihn irgendwann einmal gebrauchen wird. Um weiter zu üben, haben wir ein paar Englisch-Bücher für Erstklässler aus der Schulbücherei mitgenommen. Er hat Spaß am Lesen und so lange die Geschichten mit Hunden, Katzen oder Robotern zu tun haben, verschlingt er alles. So arbeiteten wir uns bereits erfolgreich durch „Sparky’s Bone“, „Red and I visit the Vet“ und „Cat Games“.

Was mich betrifft, habe ich meinen englischen Wortschatz in den letzten Wochen fast ausschließlich bei Gesprächen im dogpark erweitert. Dort lernt man sehr leicht die unterschiedlichsten Leute kennen, aber das Thema ist immer das Gleiche. What’s the name of the dog, which kind of dog is it, is Polly a puppy? Gestern habe ich mit einer älteren Dame namens Mascha gesprochen, die gemeinsam mit ihrem Hund Ella auf einer Bank saß. Ab und zu sprang Ella, die aussieht wie ein schwarzgraues Wollknäuel, auf den Boden und setzte sich neben Polly. Einträchtig starrten sie minutenlang regungslos und mucksmäuschenstill in einen Baum. Doch sobald sie ein Eichhörnchen erblickten, bellten sie laut drauflos. Mascha und ich fielen vor Schreck fast von der Bank.

Vorfreude auf Montag

Mascha hat früher spanisch sprechende Einwanderer in „English as a second language“  unterrichtet. Es hat Spaß gemacht, sich mit ihr zu unterhalten. Sie hat einen tollen, trockenen Humor und wir werden uns nächste Woche wieder im dogpark treffen.

Apropos nächste Woche: Wie ihr sicher wisst, fiebern die Amerikaner der totalen Sonnenfinsternis am Montag entgegen. Sie zieht sich in einem 100 Kilometer breiten Streifen quer über die USA. So etwas gab es hier zuletzt vor 99 Jahren. In Kalifornien sieht man leider nur eine partielle Sonnenfinsternis. Deshalb setzen sich viele in den Flieger oder fahren stundenlang mit dem Auto nach Oregon oder Idaho. Glück hat, wer in der Gegend bei Verwandten übernachten kann. Die Preise für Hotelzimmer sind in astronomische Höhen geschossen. Auch an Henrys Schule dreht sich am Montag alles um das Jahrhundert-Ereignis.

Und wer sich fragt, was Bonnie Tyler eigentlich so macht: Auf der Royal Caribbean cruise singt sie während der Sonnenfinsternis live ihren 80er-Jahre-Hit „Total Eclipse of the Heart“. Sie hat den Song extra gekürzt, da er im Original länger ist als das 160 Sekunden dauernde Naturspektakel. Leider ist das Event schon ausgebucht.

Endlich Schule!

„Bank der Freunde“ auf dem Schulhof

Vor diesem Tag hatte Henry lange Bammel, und heute hat er ihn gemeistert, als hätte er nie etwas anderes gemacht. Die Rede ist von Henrys erstem Schultag in der Alto International School. Seit wir in den USA sind hat er keinen Fuß mehr auf einen Spielplatz gesetzt. Er hatte zu viel Angst davor, angesprochen zu werden – wo er doch kein Englisch spricht. Und mit Gleichaltrigen gespielt hat er ebenso lange nicht.

Ich machte mir Sorgen. Ganz umsonst. In dieser Schule sind Neuankömmlinge nichts Besonderes. Die meisten Kinder wissen aus eigener Erfahrung, wie es sich anfühlt, fremd zu sein. Und zusammen mit den Lehrern nehmen sie alle Neuen freundlich und offen in Empfang. Henry hat einen „Buddy“ zugewiesen bekommen, einen Mitschüler, der ihm alles zeigt und Fragen beantwortet. Das fand er ziemlich cool und er erzählte stolz, dass er sich mit ihm schon angefreundet hat.

Neben Katzen in Stars Wars Kostümen bekommt Henry Englisch-Unterricht.

Weniger cool fand er seine erste english-lesson. Der Unterricht findet in deutscher Sprache statt, aber er hat 6 Englisch-Stunden pro Woche. Er ist das einzige Kind in der Klasse, das die Sprache noch nicht kann. Deshalb hat er eine zweite Lehrerin zugewiesen bekommen, die ihn beim Lernen unterstützt. Sie spricht allerdings kein Deutsch, sondern neben Englisch nur Spanisch. Mit Hilfe von Händen und Füßen hat sie ihm heute übersetzt oder die anderen Kinder gebeten, es zu tun. Ich wäre gerne dabei gewesen.

Wie in Deutschland auch studieren die Zweitklässler ein Lied für die Schulanfänger ein. Henry musste heute nicht mitsingen, weil… wieder in Englisch. Aber er darf morgen bei der Einschulungsfeier einem Erstklässler, der auch Henry heisst, einen Zettel vorlesen, auf dem seine Gründe stehen, warum er vor der Schule keine Angst haben muss. Ich wüsste zu gerne, welche er genannt hat. Er hat es mir nicht verraten.

Mutprobe Friseurbesuch

Dieser Blog-Beitrag ist für alle, die gerne über ihre Haare und Friseurbesuche reden. Alle anderen werden sich fürchterlich langweilen und sollten lieber auf den nächsten Blog-Beitrag warten.

Vorher

Wenn es euch so geht wie mir, dann seid ihr froh, wenn ihr einen Friseur gefunden habt, dem ihr nicht viel erklären müsst. Der weiß was zu tun ist und was eure Haare brauchen. Von der Kopfmassage beim Waschen und dem frisch aufgebrühten Latte Macchiato ganz abgesehen. Ich hatte eine solche Friseurin gefunden und dann … ihr wisst schon.

In den USA gleicht ein Friseurbesuch einem russischen Roulette. Man weiß nicht, ob die Person, die sich Hairstylist nennt, eine Ausbildung hat und wenn ja, welche. Deshalb habe ich etliche Google-Bewertungen gelesen, bevor ich mich für eine Friseurin entschied. Ich fuhr letzte Woche bei ihrem Geschäft im Business District in Palo Alto vorbei, um mir einen Termin geben zu lassen. Die gut bewertete Friseurin, der der Salon gehörte, war aber nicht da, so dass ich einen Termin bei ihrer Mitarbeiterin bekam. Über sie stand nichts im Internet.

Saturday, eleven thirty, pünktlich wie eine Deutsche, stand ich bei meiner neuen Friseurin auf der Matte. Sie ist Mitte 20, heisst Glory und war 6 Jahre alt, als sie mit ihrer Familie Pakistan verließ. Sie hat innerhalb von 2 Wochen englisch gelernt, sagte sie. Wir haben uns mit Händen und Füßen verständigt und einigten uns auf Ansatz färben und einen leicht veränderten Schnitt.

Ich musste mir auf der Toilette einen Friseurumhang holen und ihn anziehen. Sie fragte mich, ob ich ein Wasser wolle, und als ich bejahte, stellte sie ein 0,2 Liter Plastikfläschchen vor mich hin. Kein kleines Tablett, kein Glas, kein Keks. Immerhin musste ich es mir nicht auf der Toilette holen.

Nachdem sie die Farbe gemischt und aufgetragen hatte, hörte ich dem Gespräch am Nachbarspiegel zu. Zeitschriften gab es nicht. Die Farbe roch sehr stechend und ich wartete einen Dreiviertelstunde, dann ging es zum Auswaschen. Beim Schneiden sollte ich meinen Kopf ruhig halten, aber sie zog so fest an meinen Haaren, dass ich fast vom Stuhl fiel. Nachdem sie fertig war, gab sie mir einen kleinen Spiegel, zeigte mir meinen Hinterkopf und verabschiedete sich. Da meine Haare nass waren, bat ich sie, noch zu föhnen.

Macht die Haare schön: Pflegemaske von Maui

Um es kurz zu machen: Nachdem ich 110 Dollar bezahlt hatte, verließ ich mit einem krausen Fizzelkopf den Salon und musste auf der Heimfahrt eine Runde weinen. Zuhause lief ich an einem irritierten Stephan vorbei schnurstracks in die Dusche und wusch mir das klebrige Zeug aus den Haaren, das sie mir beim Föhnen, als sich keine einzige Locke zeigen wollte, in die Haare schmierte.

Nachher

Danach ging es es mir besser. Meine Locken waren noch da, nur kurz auf Urlaub. Aber das Färben haben sie nicht gut überstanden. Deshalb bin ich gestern losgezogen auf der Suche nach einer pflegenden Haarmaske. Und ich bin fündig geworden: Die Maui Moisture-Pflegeserie ist einfach toll. Sie ist vegan, ihr Hauptbestandteil ist reiner Aloesaft und sie duftet ganz wunderbar nach Aloe und Kokosnusswasser. Im Internet habe ich gelesen, dass die Maui-Produkte seit August auch in Deutschland erhältlich sind – bei der Drogeriekette dm. Bei euch kosten sie um die 9 Euro. Probiert sie mal aus.

Emissionsfrei unterwegs

Wie jeder weiß, lieben die Amerikaner ihre Autos wie kaum eine andere Nation. Sie verbringen einen beträchtlichen Teil ihrer Zeit darin, so dass es nicht verwunderlich ist, dass viele Autos die Dimension eines Wohnzimmers haben und entsprechend eingerichtet sind. Die niedrigen Benzinpreise machen es möglich.

Doch das Silicon Valley droht im Verkehr zu ersticken. Vor allem zur Rush Hour kann man sich vielerorts nur im Schneckentempo vorwärts bewegen. Langfristig müssen neue Transportlösungen her – und ein Umdenken findet bereits statt. So hat sich Palo Alto zum Ziel gesetzt, eine der grünsten Städte der Nation zu werden und so fördert die Stadt unter anderem den Verkauf von E-Cars. Mit gutem Erfolg: Im Jahr 2015 waren in Palo Alto mehr als 15 Prozent der erworbenen Neufahrzeuge elektrisch. Auf den Straßen sieht mein ungeschultes Auge vor allem Nissan Leaf, Chevy Bolt und einige e-Golfs.

Ich habe nicht recherchiert, inwieweit oder ob es Rabatte beim Neukauf eines Fahrzeugs gibt. Fakt ist, dass sich die Stadt vor allem um den Aufbau eines Ladestationnetzes und niedrige Strompreise kümmert. Auch Arbeitgeber wie Apple fördern E-Cars, indem sie Ladestationen auf dem Firmengelände anbieten, an denen die Mitarbeiter ihre Autos kostenlos aufladen können.

Unser neues Familienmitglied

So, und jetzt lasse ich es raus: Ich bin seit zwei Tagen stolze Besitzerin eines elektrischen Fiat 500. Neu kostet er über 32000 Dollar. Meiner ist drei Jahre alt, hat einen Meilenstand von 28000 und hat rund 9000 Dollar gekostet. Er ist so süß, dass ich ihn am liebsten im Wohnzimmer parken würde. Und er fährt sich wie ein Go-Kart.

Für den Stadtverkehr ist er ideal. Für den Highway weniger, aber dafür habe ich ihn auch nicht gekauft. Als ich von San Jose, wo wir ihn abholten, auf dem Highway 101 nach Hause gedüst bin, wurde ich so durchgeschüttelt, dass ich dachte, das Auto ist kaputt. Ich habe jede Bodenwelle gespürt. Auf dem Parkplatz hatte ich den Bordstein mitgenommen und hatte Angst, dass ein Reifen nicht mehr in Ordnung ist. Aber alles war gut. Er fährt sich nur einfach wie ein Fiat.

Eine volle Batterie hält rund 80 bis 100 Meilen und ich kann ihn in unserer Garage bequem aufladen. Ich freu mich!

Gruseln im Junior Zoo

Im Junior Zoo

Vielleicht kennen einige von euch das Brettspiel, das in den 70er Jahren angesagt war und in dessen Spielverlauf man als Zoodirektor um die Welt reiste, um Tiere einzukaufen. Ich habe leider den Namen vergessen, obwohl ich es mit meinem Bruder sehr oft gespielt habe. Vier verschiedene Zoos standen zur Auswahl und ich wollte immer den Kinderzoo haben, weil dort die knuffigsten Tiere lebten. Daran musste ich gestern denken, als ich mit Henry den Junior Zoo in Palo Alto besucht habe. Er ist bei uns direkt um die Ecke.

Riesenschildkröte Edward

Das Wort Junior Zoo assoziiere ich mit Streichelzoo, süßen Häschen und Meerschweinchen, Fischen und als Highlight maximal eine behäbige Riesenschildkröte. Die gibt es dort tatsächlich, sie heißt Edward und ist 17 Jahre alt.

Ein Häschen gibt es auch, ein schwarz-weiß geflecktes, und vermutlich ist es das Abendessen für die Boas und Pythons, die ebenfalls im Junior Zoo leben. Neben Handteller großen beharrten Spinnen, Ratten und Blauzungenechsen. Ich habe mich ehrlich gesagt gegruselt. Was diese Tiere betrifft bin ich zart besaitet. Ich finde sie eklig und habe Angst, dass die Terrarien und Käfige nicht wirklich sicher sind. Einige werden jetzt aufschreien, aber es ist nun mal so. Ich bin die Falsche, um Henry zu vermitteln, dass alle Tiere toll sind und man sich vor ihnen nicht fürchten muss. Das macht aber nichts. Er fand die Tiere, die bei mir eine Gänsehaut verursachen, äußerst faszinierend und es hat ihm nichts ausgemacht, dass ich beim Betrachten zwei Meter hinter ihm stand.

Indian Stick

Der Zoo heißt Junior Zoo, weil er klein ist und sich mit seinen Erklärungen an Kinder richtet. Neben Reptilien und Insekten kann man auch Fledermäuse, Waschbären, Vögel,  Fische, Igel und noch so einiges mehr entdecken. Besonders spannend fand Henry den gläsernen Bienenstock und die Indian Sticks. Diese Insekten sehen aus wie kleine Zweige, so dass man sie in einem Gebüsch nur erkennen kann, wenn sie sich bewegen. Wir standen eine gefühlte Ewigkeit vor dem Terrarium, um sie zu finden. An den Zoo angeschlossen ist ein kleine Ausstellungsfläche, in der Kinder Naturphänomene erforschen können. Der Eintritt ist frei, aber die Zoomitarbeiter freuen sich über eine kleine Spende.